Schlägerei an Bord der Swiss: «Es war viel Alkohol im Spiel»

Eine Maschine der Fluggesellschaft Swiss war bereits über vier Stunden in der Luft, als sie nach Zürich-Kloten zurückkehrte. Auslöser war eine Schlägerei zwischen zwei Chinesen.

Randalen an Bord: Eine Maschine der Swiss. (Archivbild)

Randalen an Bord: Eine Maschine der Swiss. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Swiss-Maschine des Flugs LX 196 befand sich gestern Abend auf dem Weg nach Peking. Ungefähr über Moskau kam es zwischen zwei Passagieren zu Handgreiflichkeiten: «Zwei Männer waren in den Zwist involviert. Ebenfalls beteiligt war ein Maître de Cabine, der den Streit schlichten wollte», sagt Mehdi Guenin, Mediensprecher der Swiss gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Radio 1 berichtete erst, dass sich das Crew-Mitglied leicht verletzt habe. Diese Meldung wurde später von der Swiss dementiert.

Aufgrund des Vorfalls entschied der Kapitän den Flug abzubrechen und nach über vier Stunden Flugzeit wieder nach Zürich-Kloten zurückzukehren. «Es wurde noch über eine Zwischenlandung in Warschau oder Moskau diskutiert, man entschied sich dann aber für eine Rückkehr in die Schweiz», sagt Guenin. «Insgesamt waren das Flugzeug 8,5 Stunden in der Luft», sagt Susanne Mühlemann von der Suisse.

Als die Maschine in Kloten landete, stand die Kantonspolizei Zürich mit einem Aufgebot bereit. Die beiden Täter, zwei Chinesen im Alter von 57 und 29 Jahren, wurden kurz danach festgenommen. Dazu verschaffte sich die Polizei Zugang ins Flugzeug. Bei der Verhaftung hätten die Männer keinen Widerstand geleistet, sagt Werner Schaub von der Kantonspolizei Zürich. «Es war viel Alkohol im Spiel». Dies sei auch der Grund, weshalb die beiden Chinesen noch nicht hätten befragt werden können, so Schaub. Im Laufe des Tages soll das Verhör nachgeholt werden. Zuletzt entscheide die Staatsanwaltschaft, was mit den Tätern geschehe.

Mehrere Vorfälle jährlich dieser Art

Gestern um 21.24 Uhr landete das Flugzeug auf der Piste 34 wegen «unruly passenger», wie Raimund Friedrich, Sprecher der Flugüberwachung Skyguide mitteilt. «Unruly passenger» – eine Bezeichnung, die sich auf Komplikationen mit Passagieren bezieht. Gemäss Guenin kommen solche und ähnliche Vorfälle mehrmals pro Jahr vor. Dass deswegen ein Flugzeug nach mehreren Stunden Flugzeit zurück an seinen Ursprungsort zurückkehre, sei jedoch eher unüblich. Dafür seien «operationelle Gründe» ausschlaggebend gewesen, sagte Swiss-Sprecher Mehdi Guenin. In Zürich sei es einfacher gewesen, die Leute umzubuchen – insgesamt wäre in Moskau alles länger gegangen. Dass man nach Zürich zurückkehre und nicht in Moskau zwischenlande, habe der Kapitän entschieden.

Skyguide-Sprecher Friedrich findet es «erstaunlich, dass der Kapitän nicht in Moskau landete und die beiden Passagiere hinausstellte». Auch für Aviatikexperte Max Ungricht mutet es etwas seltsam an, dass die Maschine nach einer derart langen Flugzeit wieder nach Zürich zurückkehrte: «Vielleicht hat es etwas mit der Nationalität der Passagiere zu tun», mutmasst Ungricht. Auch vorstellbar sei der rechtliche Schutz der randalierenden Passagiere, welche das Swiss-Personal vielleicht nicht unbedingt der russischen Justiz ausliefern wollte.

«Meistens ist Alkohol im Spiel»

Dass es an Bord eines Flugzeugs zu Schlägereien kommt, findet Ungricht indes wenig überraschend: «Solche Vorkommnisse ereignen sich öfters und meistens ist Alkohol im Spiel», sagt der Aviatikexperte.

Ein Leserreporter von «20 Minuten online» war als Erster auf den Vorfall aufmerksam geworden. Beim Beobachten der Flugbewegungen auf der Internetseite Flightradar.com ist ihm die Unregelmässigkeit des Fluges aufgefallen. Die Passagiere waren insgesamt also über 8,5 Stunden vergebens in der Luft. Im Anschluss mussten laut dem Swiss-Sprecher alle umgebucht werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.09.2012, 08:12 Uhr

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