Schüler verklagt «Washington Post» auf 250 Millionen Dollar

Das Video der Begegnung des Teenagers mit einem Ureinwohner sorgte für weltweite Aufregung. Für den 16-Jährigen ist der Vorfall noch nicht abgeschlossen.

Das Video sorgte für Aufruhr: Wer provoziert hier wen?

Das Video sorgte für Aufruhr: Wer provoziert hier wen? Bild: Social Media/Kaya Taitano/Reuters

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Der Vorfall im Januar am Lincoln Memorial in Washington hatte weltweites Aufsehen erregt: Ein Video zeigte einen weissen Schüler mit «Macht Amerika wieder grossartig»-Kappe, der einem Ureinwohner dicht gegenüberstand. Der Teenager wurde von verschiedenen Seiten eines rassistisch motivierten Verhaltens verdächtigt - was er vehement bestritt. Nun hat der 16-Jährige Nicholas Sandmann die «Washington Post» wegen ihrer Bericherstattung auf Schadenersatz in Höhe von 250 Millionen Dollar (220 Millionen Euro) verklagt.

In ihrer am Dienstag bei einem Bundesgericht im Bundesstaat Kentucky eingereichten Klage führten die Anwälte der Familie Sandmann ins Feld, dass der Junge von der Zeitung «zur Zielscheibe gemacht und gemobbt» worden sei, weil er weiss und katholisch sei und die Kappe mit dem Slogan von Präsident Donald Trump getragen habe. Dabei habe sich Sandmann «ruhig und respektvoll» verhalten, als ihm der Ureinwohner gegenüber getreten sei.

Das Blatt habe «grundlegende journalistische Standards» ignoriert, weil es mit der Berichterstattung über den Vorfall seine gegen Trump gerichtete Agenda habe verbreiten wollen, argumentieren die Anwälte. Eine Sprecherin der «Washington Post» sagte, die Zeitung plane eine «energische Verteidigung» gegen die Klage.

Trump, der Sandmann schon früher in Schutz genommen hatte, reagierte indessen erfreut auf die Klage. «Geh und kriege sie, Nick. Falschnachrichten!», schrieb der Präsident im Kurzbotschaftendienst Twitter unter Verwendung einer Abkürzung für Sandmanns Vornamen. Trump wirft der «Washington Post» sowie einem Grossteil der US-Medien immer wieder eine voreingenommene und absichtlich falsche Berichterstattung über seine Präsidentschaft vor.

Das Video über den Vorfall zeigt Sandmann grinsend und schweigend in Angesicht zu Angesicht mit dem älteren Ureinwohner Nathan Phillips. Mitschüler Sandmanns springen unterdessen auf und ab und singen. In den Vorfall am Denkmal für den früheren Präsidenten Abraham Lincoln waren auch Afroamerikaner verwickelt, die zur religiösen Gruppe der Schwarzen Hebräer gehören. Phillips sagte später, er habe sich eingeschaltet, um Spannungen zwischen den Afroamerikanern und den weissen Schülern zu entschärfen.

Sandmann wiederum sagte in einem Fernsehinterview, weder er noch seine Mitschüler hätten rassistische Parolen gebrüllt. Rassismus werde an seiner katholischen Schule in Covington in Kentucky «nicht geduldet», und keiner seiner Mitschüler sei rassistisch gesonnen.

Die Diözese von Covington und die Covington Catholic High School hatten das Verhalten der Schüler zunächst kritisiert. Später erklärte der dortige Bischof Roger Foys jedoch, eine unabhängige Untersuchung in seinem Auftrag habe ergeben, dass die Schüler den Vorfall nicht provoziert hätten. Ihr Verhalten unter den damaligen «bizarren» bis «bedrohlichen» Umständen lasse sich sogar als «lobenswert» bezeichnen. Die «Washington Post» relativierte ihrerseits ihre ursprüngliche Darstellung des Vorfalls in späteren Berichten. (sep/AFP)

Erstellt: 20.02.2019, 19:50 Uhr

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