Schweden wollen Assange in London vernehmen

Neue Entwicklung im Fall Julian Assange: Staatsanwälte aus Schweden sind bereit, den Wikileaks-Gründer im Ausland zu den Sexvorwürfen zu befragen. Zuvor hatten sich die Schweden dagegen gesträubt.

«Julian Assange will befragt werden, damit er entlastet werden kann»: Julian Assange (l.) im Gespräch mit seinem Rechtsberater Baltasar Garzon in der equadorianischen Botschaft in London. (19. August 2012)

«Julian Assange will befragt werden, damit er entlastet werden kann»: Julian Assange (l.) im Gespräch mit seinem Rechtsberater Baltasar Garzon in der equadorianischen Botschaft in London. (19. August 2012) Bild: Sean Dempsey/Keystone

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Die schwedische Staatsanwaltschaft hat angeboten, den Wikileaks-Gründer Julian Assange zu den gegen ihn erhobenen Sexvorwürfen in London zu befragen. Das wurde am Freitag bekannt. Zuvor hatte sie sich geweigert, in die britische Hauptstadt zu reisen, wo Assange Zuflucht in der ecuadorianischen Botschaft gesucht hat. Staatsanwältin Marianne Ny erklärte den Sinneswandel damit, dass einige der Assange zur Last gelegten Verbrechen im August ihre Verjährungsfrist erreichten.

Die Ermittlungen zu mutmasslichen Sexvergehen gegen den Australier Assange dauern seit fast fünf Jahren an. Die schwedischen Behörden wollen ihn zu Vorwürfen des sexuellen Fehlverhaltens und der Vergewaltigung befragen. Die Anschuldigungen stehen im Zusammenhang mit zwei Frauen, die Assange 2010 während eines Besuchs in dem skandinavischen Land getroffen hatte. Assange bestreitet die Vorwürfe. Der 43-Jährige wurde bislang nicht offiziell in Schweden angeklagt.

Befragung und DNS-Probe

Ny sagte, sie habe das Rechtsteam Assanges am Freitag darum gebeten, den 43-Jährigen in London zu befragen und ihm eine DNS-Probe zu entnehmen. Ein Anwalt des Wikileaks-Gründers, Per Samuelson, begrüsste das Vorgehen und erklärte, Assange werde das Angebot nach einer detaillierten Prüfung wahrscheinlich annehmen.

«Das ist etwas, das wir seit über vier Jahren fordern», sagte Samuelson der Nachrichtenagentur AP. «Julian Assange will befragt werden, damit er entlastet werden kann. Also begrüssen wir dies natürlich.»

Samuelson sagte, die schwedische Generalstaatsanwaltschaft habe wahrscheinlich Ny gebeten, den Fall mit einer Reise nach London voranzutreiben. Assange hatte beim obersten Gerichtshof Schwedens Berufung gegen einen Haftbefehl eingelegt. Das Gericht hatte daraufhin Anfang der Woche die Generalstaatsanwaltschaft um eine Meinung gebeten.

«Mängel in der Untersuchung akzeptieren»

Sie sei immer der Ansicht gewesen, dass eine Befragung Assanges in der ecuadorianischen Botschaft «die Qualität des Interviews senken würde und dass er in jedem Fall in Schweden präsent sein müsste, sollte es in der Zukunft einen Prozess geben», teilte Ny mit. «Jetzt, da die Zeit drängt, habe ich es daher als notwendig angesehen, solche Mängel in der Untersuchung zu akzeptieren und zugleich das Risiko einzugehen, dass das Interview den Fall nicht vorantreibt», erklärte Ny.

Assange hält sich seit Juni 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London auf. Er hatte erklärt, nicht die Absicht zu haben, nach Schweden zu gehen, weil es keine Garantien gebe, dass er nicht anschliessend in die USA geschickt werde. In den Vereinigten Staaten wird wegen der Veröffentlichung Hunderttausender geheimer US-Dokumente durch Assanges Enthüllungsplattform Wikileaks ermittelt. Staatsanwältin Ny hat Behauptungen einer Verwicklung der USA in die schwedischen Ermittlungen zurückgewiesen. (rub/sda)

Erstellt: 13.03.2015, 12:18 Uhr

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