Scientology drängt junge Frauen zur Abtreibung

Über ein Dutzend ehemalige Mitarbeiterinnen der Scientology-Eliteeinheit Sea-Org mussten Schwangerschaften abbrechen: Sie sollten ungestört für Scientology arbeiten können.

Mehr Zeit für die Sekte: Die Scientology zwingt Mitarbeiterinnen zur Abtreibung.

Mehr Zeit für die Sekte: Die Scientology zwingt Mitarbeiterinnen zur Abtreibung. Bild: Keystone

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Laura Dieckman war 12, als ihre Eltern Mitarbeiter der Eliteeinheit Sea-Org bei Scientology wurden. Sie unterschrieben einen Arbeitsvertrag über eine Milliarde Jahre und arbeiteten bis zu 80 Stunden pro Woche. Damit war Lauras Schicksal vorbestimmt, ihre Zukunft in der Sekte festgeschrieben.

Laura war oft allein. Mit 16 heiratete sie einen Mitarbeiter der Sekte, ein Jahr später war sie schwanger. Sie freute sich auf das Kind, doch sie wurde von Scientology-Funktionären zur Abtreibung gedrängt, wie sie heute erklärt.

Mütter sind abgelenkt

Seit vielen Jahren sieht sich Scientology dem Vorwurf ausgesetzt, schwangere Mitarbeiterinnen der Sea-Org zum Abbruch zu drängen. Der Grund: Mütter können sich nicht mehr rund um die Uhr für die Sekte engagieren, Kinder sind eine Belastung. Scientology dementierte die Anschuldigungen jeweils postwendend. Nun hat die US-Zeitung «St. Petersburg Times» aus Florida über ein Dutzend ehemalige Scientology-Mitarbeiterinnen ausfindig gemacht, die erklären, unfreiwillig abgetrieben zu haben.

Als Grund für die Abtreibungen geben die Frauen mehrheitlich die hohen Erwartungen der Sekte an. Wer sich nicht mit vollem Einsatz für Scientology einsetze und private Bedürfnisse in den Hintergrund stelle, gerate rasch in den Verdacht, die Ziele von Scientology nicht bedingungslos zu verfolgen. Es gehe darum, «den Planeten zu retten», sagt eine ehemalige Scientology-Frau.

Der Druck geht meist von den direkten Vorgesetzten aus. Diese befürchten, dass die Leistungskurve ihrer Abteilung sinkt, wenn eine Mitarbeiterin durch die Kinderbetreuung teilweise absorbiert ist. Bricht die Statistik ein, drohen unangenehme Untersuchungen.

Claire Headley ging es ähnlich wie ihrer Kollegin Laura. Sie kam mit 16 zu Scientology, wurde mit 19 Jahren schwanger und trieb ab. Sie erklärt, sie sei unter Androhung von Strafen zur Abtreibung gedrängt worden. Einen Tag nach der Abtreibung habe sie wieder im Scientology-Zentrum geschuftet.

«Es war kriminell»

Das Ritual wiederholte sich zwei Jahre später mit einer zweiten Abtreibung. «Ich hatte keine Wahl», sagt Claire Headley und fügt an: «Es war kriminell.» Sie habe gewusst, dass sie von ihrem Mann getrennt und schwer bestraft worden wäre, wenn sie sich geweigert hätte. Headley führt eine Scientology-Anweisung an, wonach Mitarbeiterinnen der Sea-Org zurückgestuft werden, wenn sie ein Kind austragen. Sie erlebte ähnliche Fälle bei ihren Kolleginnen.

Ein amerikanischer Scientology-Sprecher bestreitet alle Anschuldigungen und sagt, die Abtreibungen seien Headlys eigener Entscheid gewesen.

«Alles, was ablenkt, wird in Scientology verachtet», sagt Sunny Pereira, die ebenfalls abgetrieben hat. Der Druck sei vor allem bei den Sea-Org-Mitarbeiterinnen gross. «Normalerweise ist es nicht erlaubt, mit dem Ehemann über die Abtreibung zu sprechen», fügt sie an.

Erstellt: 20.06.2010, 23:12 Uhr

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