Sexhotline-Angestellte bringt Premier in Verlegenheit

Tony Abbott ist sich politischen Gegenwind gewohnt. Mit der Attacke einer 67-jährigen Telefonsex-Angestellten hat der australische Premierminister aber nicht gerechnet.

Einer Verbalattacke ausgeliefert: Tony Abbott. (Video: Youtube.com)


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Politischen Widerstand wegen seiner Sparpolitik lässt Australiens Premierminister John Abbott regelmässig abperlen, doch mit Beschwichtigungsformeln wollte sich eine 67-jährige Frau namens Gloria heute nicht länger abfinden: Die am Existenzminimum lebende Mitarbeiterin einer Telefonsex-Hotline stellte den Regierungschef in einer Radioshow zur Rede - und fiel dem konservativen Politikveteran zwischendurch verärgert ins Wort.

Die landesweit kritisierten Milliardenkürzungen im Sozialsystem hätten ihre Situation noch einmal drastisch verschärft, schimpfte die live von einem Sender in Melbourne zugeschaltete Frau. Sie müsse «für eine Telefonsex-Hotline arbeiten, um über die Runden zu kommen», und trotzdem blieben ihr nach Abzug der Miete monatlich nur etwa 550 Euro zum Leben.«Ich bin eine 67 Jahre alte Rentnerin mit drei chronischen unheilbaren Erkrankungen, zwei davon lebensbedrohlich», schilderte die Anruferin ihre Not. «Herr Abbott, ich möchte Sie fragen: Möchten Sie Ihre Mutter oder Grossmutter in meiner Lage sehen?»

Missverständliches Zwinkern

Vom Regierungschef verlangte Gloria eine klare Stellungnahme: «Was sollte ich Ihrer Meinung weglassen, Herr Abbott: Essen, Strom, Feuerholz, Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke für meine Enkel?» - «oder sollen wir alle einfach sterben und Ihnen nicht mehr in die Quere kommen?». Auf Videoaufzeichnungen der Show ist zu sehen, wie Abbott dem Moderator zuzwinkert, als die Frau sich als Mitarbeiterin einer Sexhotline zu erkennen gibt. Das Büro des Premiers versicherte später, der Regierungschef habe damit bloss signalisieren wollen, dass er das Gespräch gerne weiterführen würde.Bei seiner Antwort wurde Abbott prompt unterbrochen. «Ich verstehe vollkommen, dass Sie es schwer haben», beschwichtigte der Politiker, bevor ihm Gloria ins Wort fiel. «Aber es ist Ihnen trotzdem egal, oder?», ätzte sie zurück.

Eine andere Anruferin namens Stella warf Abbott vor, «uns alle wie Idioten zu behandeln». Nach ihrem Wahlsieg im Herbst hatte die liberal-konservative Regierung unter anderem Haushaltskürzungen von rund 33 Milliarden Euro im Gesundheitswesen sowie 20 Milliarden Euro bei der Bildung binnen zehn Jahren angekündigt, um die Staatskasse zu sanieren. Das Renteneintrittsalter soll zudem bis 2035 auf 70 Jahre steigen und eine Praxisgebühr für Arztbesuche eingeführt werden. Der Entwurf löste vergangene Woche einen landesweiten Entrüstungssturm aus. Aus Protest gegen Abbotts Sparkurs gingen am Mittwoch Studenten in ganz Australien auf die Strasse.

(mrs/AFP)

Erstellt: 21.05.2014, 15:46 Uhr

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