Everest

Sherpa schlägt versöhnliche Töne an

Erstmals äussert sich ein direkt beteiligter Sherpa ausführlich zur «Schlägerei» am Everest – und nimmt Ueli Steck etwas aus der Schusslinie.

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Sherpa Tashi (30) stand zwei Mal auf dem Gipfel des höchsten Bergs der Welt. Im April gehörte er zu einem Voraus-Detachement von nepalesischen Bergsteigern, die an der Lhotse-Flanke des Mount Everest mit der Installation von Fixseilen beschäftigt war und dabei mit den westlichen Spitzenbergsteigern Ueli Steck, Simone Moro und Jon Griffith in Konflikt geriet. Die «Schlägerei am Everest» ging um die Welt, die drei Top-Alpinisten brachen ihr Everest-Projekt ab.

In einem ausführlichen Interview mit dem US-Magazin Outside-Online erläutert Tashi nun erstmals die Sicht eines direkt involvierten Sherpa auf die spektakuläre Auseinandersetzung. Steck, Moro und Griffith hätten, so Tashi, die zuvor im Basecamp beschlossene Regelung, niemand dürfe an den Fixseil-Installateuren vorbeiklettern, missachtet. Trotz Zurufen seien sie weitergeklettert, herabstürzendes Eis habe einen Sherpa im Gesicht getroffen und verletzt.

«Wegen Simone Moro»

Darauf habe sich mitten in der exponierten Eiswand ein hitziger Disput entfacht, während dem Steck den Chef-Sherpa an der Brust gefasst und Simone Moro üble Fluchwörter («fucking Sherpas») ausgestossen habe. Später, im Basislager, als die «verärgerten und müden» Sherpas vor Moros Zelt auftauchten, seien sie «von Ausländern» attackiert worden, ehe einige von ihnen Steine zu werfen begannen.

Die Beziehung zwischen westlichen Alpinisten und Sherpas sei «von Vertrauen und Freundschaft geprägt», aber das habe nun gelitten. Wegen einer Person. Wegen Simone Moro – und seinen Flüchen.

Tashi gibt sich aber auch versöhnlich. Das Verhältnis zwischen Bergsteigern aus dem Westen und Sherpas sei «grundsätzlich nach wie vor gut». Trotzdem könne es wieder zu Ausbrüchen kommen. «Sherpas fühlen sich oft gedemütigt», so Tashi, «sie machen die Arbeit, die Westler holen den Ruhm.» Die jüngere, selbstbewusstere Generation lehne sich gegen diese gefühlte Ungerechtigkeit auf.

Erstellt: 13.08.2013, 20:55 Uhr

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