Shitstorm nach Verhaftung in Starbucks

Zwei Männer warten in Philadelphia in einem Starbucks auf einen Geschäftspartner. Weil sie nichts bestellen, lässt der Kaffeeriese sie verhaften. Nun drohen Kunden mit Boykott.

Ein Video zeigt, wie die Verhaftung abgelaufen ist.

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Starbucks muss sich in den USA nach einem Vorfall gegen Rassismusvorwürfe verteidigen. Zwei Afroamerikaner sassen in einem Starbucks-Café in der US-Stadt Philadelphia und warteten auf einen Kollegen. Dass sie bis zu dessen Eintreffen noch nichts bestellt hatten, kam den Mitarbeitern von Starbucks verdächtig vor.

Die Männer argumentierten, dass sie sich für einen Termin mit einer Drittperson in diesem Starbucks verabredet hatten. Offenbar glaubten die Mitarbeiter den beiden Schwarzen nicht, denn nach Aufforderungen, die Filiale zu verlassen, riefen sie die Polizei.

«Das ist diskriminierend»

Noch während die angerückten Beamten die fassungslosen Schwarzen verhafteten, tauchte Andrew Yaffe auf, der Mann, auf den die beiden gewartet hatten. Yaffe machte die Polizei und das Starbucks-Personal auf das Missverständnis aufmerksam. Er wollte sich mit den beiden Männern geschäftlich treffen, um eine Investition zu besprechen. «Wieso wurden sie aufgefordert, den Laden zu verlassen?», fragt er auf einem Handyvideo die Anwesenden. «Das ist diskriminierend, denkt sonst noch jemand, dass das absolut lächerlich ist?», wendet er sich an die anderen Gäste in der Filiale.

Seine Intervention nützt aber nichts mehr, die beiden Schwarzen werden abgeführt und bleiben neun Stunden in Gewahrsam. Sie müssen sich die Fingerabdrücke abnehmen lassen, werden fotografiert und befragt. Dann werden sie entlassen, denn es gebe «nicht genügend Beweise, um die Männer wegen eines Verbrechens anzuklagen», wie die Staatsanwaltschaft entscheidet.

Video führt zu Boykottaufrufen

Eine Frau, die den Vorfall im Starbucks gefilmt hat, veröffentlichte das Video auf Twitter und schrieb dazu: «Die Polizei wurde gerufen, weil diese Männer nichts bestellten. Sie warteten auf einen Freund. Der tauchte auf, als sie in Handschellen abgeführt wurden. Alle weissen Leute fragen sich nun, weshalb das uns nie passiert, wenn wir dasselbe machen.»

Auch Starbucks musste zugeben, dass viele Leute sich im Starbucks tagtäglich ähnlich verhalten wie die beiden Schwarzen, deswegen aber nicht vom Personal weggewiesen würden. Die Filialen seien Treffpunkte, wo Menschen auch nur hinkämen, um das Gratisinternet zu nutzen oder sich mit Freunden zu treffen. Nachdem das Video des Vorfalls viral ging, rufen Twitterer nun zum Boykott der Café-Kette auf.

Der Bürgermeister von Philadelphia zeigte sich bestürzt darüber, dass Philadelphia als Beispiel dafür herhalten müsse, wie Rassendiskriminierung im Jahr 2018 aussehe. Er ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an. Der Polizeichef Richard Ross verteidigte die Verhaftung. Die beiden Männer hätten die Toiletten benutzen wollen, was ihnen verweigert wurde, da sie nichts bestellt hatten. Ross, selbst Afroamerikaner, sagte, die Polizeibeamten hätten die beiden dreimal dazu aufgefordert, die Filiale zu verlassen, sie hätten sich aber geweigert. Deshalb seien sie verhaftet worden und mittlerweile wieder auf freiem Fuss. «Meine Männer haben nichts Falsches gemacht.»

Starbucks entschuldigt sich

Nachdem der Unmut in den sozialen Medien immer grösser wurde, äusserte sich Starbucks zum Vorfall und entschuldigte sich:

Starbucks-Chef Kevin Johnson entschuldigte sich bei den beiden Männern für die rassistischen Vorwürfe. In einer ausführlichen Stellungnahme bezeichnete er den Vorfall als «entmutigend» und die Verhaftung als «verwerflich». Johnson sagte, es sei falsch gewesen, die Polizei zu verständigen. Er kündigte eine Überprüfung der Geschäftspraktiken an.

Erstellt: 16.04.2018, 10:02 Uhr

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