Interview

«Sie forderten ihn auf, die Waffe fallen zu lassen»

Die Beamten der Walliser Kantonspolizei stoppten den Täter von Daillon mit einem Schuss in die Brust. Sprecher Markus Rieder schildert, wie die Polizei in diesem ausserordentlichen Fall vorging.

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Herr Rieder, ein Anrufer hat die Polizei per Telefon über die Bluttat in Daillon informiert. Wann ging der Anruf bei der Polizei ein, und was wurde gemeldet?
Der erste Anruf ging um 20.50 Uhr ein. Gemeldet wurde, dass in Daillon jemand umherschiesse. In der Folge berichteten weitere Nachbarn von Schüssen.

Wurde zuerst nur eine einzelne Patrouille vor Ort geschickt?
Nein, es sind sogleich mehrere Patrouillen losgeschickt worden und die Interventionstruppe, die den Mann dann schliesslich überwältigte. Dies geschah zur eigenen Sicherheit. Zudem bestätigten die weiteren Anrufe die erste Meldung.

Was haben die Beamten vor Ort angetroffen?
Als sie vor Ort ankamen, sahen sie zwei oder drei Personen am Boden liegen. Sie standen dann dem mutmasslichen Täter gegenüber, der ein Gewehr in der Hand hielt. Die Polizisten forderten ihn auf, die Waffe fallen zu lassen – wie es im Lehrbuch steht. Dieser Aufforderung kam er nicht nach. Er richtete vielmehr die Waffe gegen die Polizisten.

Hat er dann auf die Polizisten geschossen?
Dies kann ich noch nicht sagen. Er hatte auf jeden Fall die Waffe gegen die Polizisten gerichtet. Ob er geschossen hat oder nicht, wird noch abgeklärt.

Wer gab den Befehl, auf den Täter zu schiessen?
Jede Patrouille hat jeweils einen Patrouillenchef. Einer der Beamten hat den Einsatz vor Ort geleitet. Sie können sich vorstellen, dass Ihnen keine Zeit bleibt, Befehle aus der Zentrale einzuholen, wenn jemand ein Gewehr auf Sie richtet. Der genaue Ablauf wird aber nun abgeklärt. Wie bei jedem Einsatz mit Schussabgabe durch die Polizei gibt es eine dienstliche Untersuchung.

Konnten die Verletzten denn versorgt werden, während der Täter noch bewaffnet war?
Die Ambulanz wurde ebenfalls gleich zu Beginn aufgeboten. Die Polizisten mussten den Täter aber erst ausser Gefecht setzen, damit das Leben der Ärzte und Rettungssanitäter nicht in Gefahr war. In einem solchen Fall muss auch die Umgebung abgesucht werden, ob sich nicht noch ein zweiter Täter in der Nähe verschanzt. Dies geht aber rasch.

Um welche Zeit genau wurde der Täter überwältigt?
Dies ist noch nicht klar. Anfahrt, Absicherung und Schussabgabe sowie die Überwältigung des Täters brauchen aber eine gewisse Zeit.

Wie läuft nun die Untersuchung weiter?
Dies ist vom Gesundheitszustand und Erinnerungsvermögen des Täters abhängig. Sobald es möglich ist, wird er sicher einvernommen. Die zwei verletzten Männer werden so rasch als möglich auch befragt, ebenso die Polizisten. Zurzeit werden die anderen Zeugen einvernommen.

Wer führt die Ermittlungen?
Dafür ist die Kriminalpolizei zuständig. Weiter informieren wird voraussichtlich die Staatsanwältin. Wann das sein wird, ist aber noch unklar.

Können Sie sich an einen Fall mit ähnlichem Ausmass erinnern?
Es gab vor ein, zwei Jahren ein Tötungsdelikt in Brig, das Aufsehen erregt hat. Mit drei Toten und einem Schwerverletzten war dies aber sicher kein alltäglicher Einsatz für die Polizei.

Erstellt: 03.01.2013, 15:31 Uhr

Markus Rieder ist Sprecher der Kantonspolizei Wallis. (Bild zvg)

Bevor die Sanitäter die Verletzten versorgen konnten, mussten die Polizisten den Täter überwältigen. (Video: Reuters )

Die Polizei schoss den Täter an: Polizeikommandant Robert Steiner zum Polizeieinsatz. (Video: Keystone )

Drei Tote und zwei Verletzte im 400-Seelen-Dorf: In Daillon VS schoss ein 33-jähriger Mann auf andere Dorfbewohner. (Video: Keystone )

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