«Sie sind keine naiven Hippies»

Ein Freund erzählt, weshalb Daniela W. und David O. per VW-Bus Pakistan durchquerten. Über die Entführung wurden neue Details bekannt, vom Schweizer Paar fehlt jedoch jede Spur.

Von drei unmaskierten Männern gekidnappt: Im VW-Bus waren keine Spuren der Entführung zu finden.

Von drei unmaskierten Männern gekidnappt: Im VW-Bus waren keine Spuren der Entführung zu finden. Bild: Keystone

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«Es war ein lange gehegter Wunsch von Daniela und David, mit dem Auto nach Indien und zurück zu fahren.» Es sei darum gegangen, als Paar etwas zusammen zu unternehmen. Dies sagt der Kampfsportlehrer von Polizist David O. (31), der mit den Entführten seit längerem eng befreundet ist. «Als David mir zum ersten Mal von den Reiseplänen erzählte, habe ich gedacht, er scherzt.» Aber den beiden sei es Ernst gewesen.

Mit der Hilfe von Freunden hätten sie einen alten VW-Bus zum Wohnmobil umgebaut. Man dürfe sich indes vom klapprigen Auto, den Plastikblumen auf dem Armaturenbrett und dem Reiseziel Indien nicht täuschen lassen, sagt der Kampfsportlehrer. «Daniela ist kein Hippie. Sie ist eine toughe Person, die Marathons rennt.» Auch David O. sei alles andere als naiv. «Aber es ist klar: Die beiden haben die Gefahr in Pakistan unterschätzt.» Familie und Freunde seien besorgt gewesen, als sich die Reisepläne des Paars konkretisiert hätten. «Ich selbst habe David gesagt: Ich würde das nicht machen.» Nun bleibe ihm nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass alles gut ausgehe, denn: «Ich will mit David noch viel unternehmen.»

500 Polizisten fahnden

In der pakistanischen Provinz Belutschistan sind derweil rund 500 Polizisten und Grenzwächter auf der Suche nach den Entführten, wie Sohail Ur Rehmann, Sicherheitsvorsteher des Distrikts Loralai, gegenüber einem Reporter der «Tribune de Genève» zu Protokoll gab. Bisher umsonst – es gebe keine Spur der beiden Schweizer. Denkbar sei, dass die Entführer sie nach Afghanistan oder nach Norden in die Region Waziristan gebracht hätten. Ebenso gut könne es aber sein, dass sie sich in der Provinz Belutschistan versteckt hielten.

Möglicherweise wurde die Entführung durch ein Missverständnis im pakistanischen Sicherheitsapparat erleichtert. In Belutschistan kontrolliert die Polizei nur die Städte; ausserhalb sind es Stammesmilizen, die für Recht und Ordnung sorgen. Daniela W. (28) und David O. erhielten Begleitschutz, als sie letzten Freitag von Indien kommend in die Provinz einreisten. Beim Durchqueren der Stadt Loralai hatten sie eine Eskorte der Polizei zur Seite. Doch dann riss die Überwachung ab: «Nachdem meine Männer die Schweizer durch die Stadt begleitet hatten, hätten die Milizkräfte übernehmen müssen», sagte Ghulam Ali Lashari, Polizeichef der Stadt Loralai, der «Tribune de Genève». Die Milizen seien jedoch am vereinbarten Treffpunkt nicht erschienen. Der Fehler sei beim Sicherheitsvorsteher Sohail Ur Rehmann zu suchen, der die zuständigen Leute nicht informiert habe. Dieser wies die Kritik umgehend zurück: «Die Polizei hätte die beiden nicht losfahren lassen dürfen, bevor die Milizen eingetroffen waren.»

Die Schweizer machten sich also ohne Eskorte auf den Weg. Zwölf Kilometer ausserhalb von Loralai sind sie laut Polizei von drei unmaskierten Männern in einem schwarzen Toyota 44 angehalten und gekidnappt worden. Zeugen sollen den Vorfall beobachtet haben. Als die Polizei später den VW-Bus sichergestellt habe, habe man keine Kampfspuren entdeckt, sagte Ghulam Ali Lashari. Sogar das Bargeld der Entführten sei noch da gewesen.

Erstellt: 05.07.2011, 08:12 Uhr

Die ausgebildeten Polizisten begaben sich trotz Warnungen des EDA nach Pakistan: Die Reiseroute der Schweizer. (Bild: TA-Grafik san)

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