«Snowzilla» ist auf dem Weg nach Europa

Nach dem Monstersturm der USA kehrt allmählich der Alltag zurück. Der Sturm hat abgedreht und bewegt sich über den Atlantik. Britische Wetterdienste warnen vor Unwettern.

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Jonas legt am Samstag die Ostküste der USA lahm. Die vorläufige Bilanz des Monstersturms: Fast 30 Tote, massive Stromausfälle, Verkehrsbehinderungen und geschätzte Schäden im Umfang von bis zu 850 Millionen Dollar.

Inzwischen hat der «Snowzilla» abgedreht. Er bewegt sich aktuell über den Atlantik Richtung Europa. Wann und in welcher Stärke Jonas den Alten Kontinent erreicht, ist zwar noch unklar. Das Meteorologische Büro in Wales warnt jedoch bereits vor schweren Regenfällen und Überschwemmungen noch in dieser Woche.

Sturm Jonas fegt bald auch über England und Schottland

Gemäss Prognosen von britischen Meteorologen werde der Sturm vor allem in England und Schottland wüten. Die Gemeinden müssten daher «vom Schlimmsten ausgehen». Die Überresten des Jahrhundert-Sturms könnten sogenannte Mammutwellen schüren, die vor allem die Küstenregionen bedrohen. Das Risiko einer Überschwemmung bestehe ganz klar, sagen die Meteorologen weiter.

Die Umweltagentur (AE) warnt sogar vor einer möglichen Lebensgefahr und allfällige Reiseunterbrechungen. So soll es Morgen und am Mittwoch über den Nordwesten und entlang der Westküste Englands stark regnen.

Aufräumarbeiten in Gang

In den USA hat derweil für Millionen Menschen das grosse Aufräumen begonnen. Dabei halfen den Anwohnern Sonnenschein und leicht steigende Temperaturen, die eine allmähliche Rückkehr zur Normalität einläuteten. Von der Golfküste bis zum im Nordosten gelegenen Neuengland hatte der Sturm weite Gebiete mit Neuschnee und orkanartigen Winden in seinen eisigen Griff genommen.

New York hob am Sonntagmorgen sein totales Fahrverbot wieder auf, der zeitweise völlig eingestellte öffentliche Nahverkehr lief langsam wieder an. Auch am Broadway gingen nach wetterbedingter Unterbrechung die Bühnenvorhänge wieder auf.

Der Flugbetrieb in New York City, Baltimore und Philadelphia nahm nach und nach wieder Fahrt auf, nachdem am Wochenende fast 12'000 Maschinen am Boden hatten bleiben müssen. Im Grossraum Washington jedoch waren die Flughäfen auch am Sonntag geschlossen, für den heutigen Montag kündigten grosse Fluggesellschaften zudem Hunderte weitere Ausfälle an.

Alle Abstimmungen verschoben

Das Repräsentantenhaus verschob wegen des Wetters alle Abstimmungen auf Anfang Februar, die Museen bleiben auch am Montag dicht. Auch rund um die US-Hauptstadt hatte das umfangreiche Aufräumen immer noch Folgen für das Alltagsleben: Alle öffentliche Schulen im Bezirk Montgomery bleiben am Montag und Dienstag geschlossen. Im dortigen North Potomac wurde mit 97,8 Zentimeter Neuschnee einige der höchsten Mengen gemessen.

New York schrammte knapp an einem Schneerekord vorbei: Im Central Park wurden 68,07 Zentimeter gemessen, der zweithöchste Wert seit 1869. Nur im Februar 2006 fiel mit 68,3 Zentimetern ein Hauch mehr. Gegen 22 Uhr am Samstagabend hörte der Schneefall in Manhattan schliesslich auf. Die Behörden beschworen die Bürger trotzdem, in ihren Häusern zu bleiben, damit die Schneeräumer die weissen Massen wegschieben konnten.

Tragische Unfälle

Nach Behördenangaben kostete der Blizzard mindestens 29 Menschen das Leben. Die Opfer kamen auf glatten Strassen, beim Schneeräumen und durch Unterkühlung um. In New Jersey starben eine Mutter und ihr einjähriger Sohn im Auto durch einen Kohlenmonoxid-Vergiftung, wie die Polizei mitteilte. Die dreijähriger Tochter der Frau liegt in kritischem Zustand in der Klinik. Die drei hatten bei laufendem Motor im Auto gesessen, während der Familienvater am Samstagabend Schnee schippte. Da der Auspuff im Schnee steckte, drang das giftige Gas offenbar zu den Insassen.

In South Carolina starb ein 86 und 87 Jahre altes Ehepaar in ihrem Haus ebenfalls an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung, nachdem sie laut den Behörden in der Garage einen Generator angeworfen hatten. In North Carolina führte der Blizzard zu einem Gewaltverbrechen: Der Wagen eines betrunkenen Mannes kam von der Strasse ab und blieb im Schnee stecken. Als ein Mann versucht habe ihm zu helfen, habe der Gestrandete ihn erschossen, sagte Sheriff Coy Reid.

Sogar Schnee in Florida

Schon den Weg des Sturms nach Osten hatten am Freitag und Samstag Chaos und Unwetterwarnungen gesäumt. Rettungstrupps versorgten Hunderte gestrandete Autofahrer mit Wasser, Benzin und Speisen.

Mehrere Staaten riefen den Notstand aus, darunter Tennessee, North Carolina, Virginia, Maryland, Pennsylvania, der Hauptstadtbezirk D.C. und New Jersey. «Das ist eines jener Ereignisse, die Generationen prägen, von denen deine Eltern erzählen, wie schlimm es war», sagte Meteorologe Ryan Maue, der sogar in Florida noch Schnee abbekam. (fal/sda)

Erstellt: 25.01.2016, 15:18 Uhr

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