So soll die Costa Concordia geborgen werden

114'500 Tonnen Stahl mit Schlagseite. Was passiert nun mit dem Giganten der Meere, der Costa Concordia?

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Noch immer ist nicht klar, ob sich weitere Menschen im Kreuzfahrtschiff Costa Concordia befinden. Die Rettungsaktionen dauern an. Derweil macht man sich über die Bergung des 114'500 Tonnen schweren Schiffs Gedanken. «So wird ein Gigant der Meere geborgen», titelt die Zeitung «Corriere della Sera» auf ihrer Website.

Die erste Sorge gilt allerdings der drohenden Naturkatastrophe durch auslaufenden Treibstoff. 2400 Tonnen davon befinden sich in den Tanks des Kreuzfahrtschiffes. Um diesen Treibstoff abzupumpen, wurde die für die Bergung von Leck geschlagenen oder gesunkenen Schiffen spezialisierte holländische Firma Smit – sie war an der Bergung des gesunkenen russischen U-Bootes Kursk (siehe Box) beteiligt – beauftragt. Experten seien derzeit daran, die Lage vor Ort zu analysieren. Rund zwei Wochen soll es dauern, bis das Schiff leer gepumpt ist.

An Pfählen aufrichten

Ungleich schwieriger ist wohl die Aufgabe, den 293 Meter langen Stahlkoloss zu bergen. Wie ein Smit-Ingenieur gegenüber dem «Corriere» sagt, seien zwei Wege denkbar. Im Vordergrund steht demnach das Aufrichten und Abschleppen der Costa Concordia. Die Technik dazu: Gegenüber der Schlagseite des Schiffs sollen massive Pfähle in den Meeresgrund getrieben werden. Das soll die Stabilisierung beim Aufrichten unterstützen. Aufgerichtet wird mit riesigen Gurten (Zug) sowie Luftboxen am Rumpf (Druck) des Schiffs. «Wir wissen nicht, ob das Schiff überhaupt noch schwimmt», beschreibt der Techniker die Unsicherheit über das Gelingen des Vorhabens.

Sollte das Aufrichten aber gelingen, müsste die Costa Concordia vor dem Abschleppen in den Hafen ausgepumpt werden. Und das wiederum kann nur klappen, wenn das Leck behelfsmässig repariert werden kann.

Kann das Schiff dereinst wieder eingesetzt werden?

Funktioniert der Weg über das Aufrichten und Abschleppen nicht, müsste das Schiff Stück für Stück vor Ort zerlegt werden. Das allerdings wird von besagtem Techniker als weitaus schwierigerer Weg beschrieben. Laut italienischen Medienberichten ist noch ungeklärt, wer den Auftrag für die Bergung des Kreuzfahrtschiffes erhält.

Noch überhaupt nicht klar scheint, ob die Costa Concordia nach einer Bergung wiederhergestellt werden kann. Laut dem Smit-Techniker würde nach einem Abschleppen in der Werft über diese Frage entschieden. Die Betreibergesellschaft Costa Cruises rechnet offenbar fest mit einer Weiterverwertung des Schiffs. Der Ausfall der Costa Concordia koste das Unternehmen bis zu 95 Millionen Dollar, hiess es heute in einer Medienmitteilung. Und: Das Schiff werde «mindestens bis zum Ende des Geschäftsjahres» am 30. November ausser Betrieb sein, wenn nicht länger. (cpm)

Erstellt: 16.01.2012, 13:16 Uhr

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Die Bergung der Kursk

Im 154 Meter langen und über 14'000 Tonnen schweren russischen Atom-U-Boot kam es am 12. August 2000 zu einer Explosion, welche grosse Schäden an der Hülle anrichtete. Das U-Boot sank auf den Meeresgrund. Sämtliche Mitglieder der 118 Mann Besatzung kamen ums Leben. Es dauerte über ein Jahr, bis die Kursk geborgen wurde. Die Aktion gelang am 8. Oktober 2001. Mitbeteiligt war die holländische Firma Smit. Das Boot wurde von einem Bergungsschiff (Ponton) mit langen Kabeln bis wenig unter die Oberfläche gehoben und dann zum Hafen abgeschleppt.

Smit wurde 1842 gegründet und hat den Hauptsitz in Rotterdam. Die Firma verfügt über rund 400 Schiffe, die an Bergungsaktionen eingesetzt werden können. (cpm)

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