Spürhund Grizz und seine fatale Angst

Ein angehender Sprengstoffspürhund reisst auf dem Flughafen aus und wird von der Polizei erschossen – die sozialen Medien sind in Aufruhr.

Er liess sich partout nicht mehr einfangen: Grizz. Foto: Twitter

Er liess sich partout nicht mehr einfangen: Grizz. Foto: Twitter

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Grizz war am frühen Morgen ausgebüxt. Warum er seinem Menschen gestern entwich, ist unklar. Der zehn Monate alte Mischling war im Training als Sprengstoffspürhund auf dem Flughafen von Auckland in Neuseeland und sollte mit seinem Arbeitsort vertraut gemacht werden, wie ein Sprecher der Civil Aviation Authority (CAA) sagte. Irgendetwas versetzte Grizz in Panik, und er haute um etwa vier Uhr morgens ab, hinaus aufs Flughafengelände. Alle Versuche seines Herrchens und der gesamten Hundestaffel, den jungen Hund wieder einzufangen, blieben erfolglos.

Futter, Spielzeug, Hunde

Da anfangs niemand wusste, wo sich der junge Hund aufhielt, erhielten 16 Flüge ihre Starterlaubnis mit Verspätung. Später hiess es, Grizz habe sich nie im Bereich der Startpisten aufgehalten. Aber er liess sich auch durch nichts dazu bewegen zurückzukehren.

«Wir probierten alles, Futter, Spielzeug, andere Hunde, aber nichts funktionierte», erklärte der CAA-Sprecher. Nach dreieinhalb Stunden bat das Notfallteam des Flughafens schliesslich die Polizei, Ausreisser Grizz zu erschiessen.

Der Entscheid löste Empörung aus: «Wir verstehen nicht, warum man ihn nicht betäubte», sagte Hans Kriek von der Tierschutzorganisation Safe for Ani­mals. «Wenn sie ihn schon über drei Stunden zu fangen versuchten, hätten sie doch auch Zeit gehabt, ein Betäubungsgewehr zu beschaffen. Ausserdem hat der nahe gelegene Zoo von Auckland solche Gewehre.»

Auf Social Media gehen die Wogen hoch

Auf der Onlinesite des «New Zealand Herald» widersprach ein Veterinär: Es wäre nicht angezeigt gewesen, ein Betäubungsgewehr einzusetzen, sagte Callum Irvine, Präsident der neuseeländischen Tierärztevereinigung. «Sie funktionieren nur auf geringe Distanz, und es ist auch nicht einfach, sie gegen ein gestresstes Tier einzusetzen.» Aus diesem Grund besässen die meisten Tierarztpraxen gar kein Betäubungsgewehr mehr.

Doch auf Twitter und der Facebook-Seite des Flughafens von Auckland gingen die Wogen hoch. «Beschämt, ein Kiwi zu sein», twitterte eine Frau. «Einen Hund zu töten, damit Flüge abgewickelt werden können: widerlich.» Eine andere schrieb auf der Facebook-Seite des Flughafens: «Ihr solltet in Schande euren Kopf hängen lassen.»

Wenig Verständnis

Die Moderatorin der Frühstücksshow im neuseeländischen Fernsehen war gestern sichtlich erschüttert: «Ein Hund rannte aufs Flugfeld. Und? Es ist nur Auckland Airport. 16 Flugzeuge mussten warten. Und? Sie haben den Hund totgeschossen. Es ist mir egal, ob ihr Flug verspätet ist, sie hätten den Hund nicht töten müssen», sagt Hilary Barry, den Tränen nahe.

Die Leserumfrage eines Onlinemediums ergab, dass 74 Prozent der Meinung waren, es hätte sicherlich andere Möglichkeiten gegeben, Grizz einzufangen. Nur 16 Prozent äusserten Verständnis für den tödlichen Polizeieinsatz.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.03.2017, 21:23 Uhr

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