Südafrika wird zum Giraffen-Reservat

Die Bestände der Giraffen sinken in ganz Afrika – ausser im Süden.

Der Giraffe fehlt zunehmend der Lebensraum. Foto: iStock

Der Giraffe fehlt zunehmend der Lebensraum. Foto: iStock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Hiobsbotschaften aus dem wilden Tierreich nehmen kein Ende. Die Notlage der Nashörner, Elefanten oder Schuppentiere ist inzwischen sattsam bekannt: Ihre Zukunft gilt angesichts der zunehmenden Umtriebe weltweit operierender Wilderer als akut gefährdet. Nun schlagen jedoch auch die Freunde der Giraffen Alarm. Die Zahl der längsten Säugetiere der Welt sei in den vergangenen 30 Jahren um fast 40 Prozent zurückgegangen: Statt rund 160 000 Langhälse sind in den afrikanischen Savannen inzwischen nur noch gut 97 000 unterwegs. Giraffenforscher Julian Fennessy spricht vom «stillen Aussterben» einer der beliebtesten Tierarten der Welt: «Es wird höchste Zeit, dass wir uns um sie kümmern.»

Bis Ende vergangenen Jahres war das Tier bei der Internationalen Union für den Naturschutz (IUCN) noch unter der Kategorie «geringste Sorge» eingestuft. Doch in sieben Staaten sind die nur in Afrika vorkommenden Paarhufer bereits ausgestorben, grössere Giraffenpopulationen gibt es nur noch in Ost- und im südlichen Afrika.

Im Gegensatz zu anderen bedrohten Tierarten wird den Giraffen nicht die Nachfrage nach vermeintlich gesundheitsfördernden oder potenzsteigernden Substanzen zum Verhängnis. Zoologen sehen vielmehr die Einschränkung ihres Lebensraums sowie den Verzehr von Giraffenfleisch vor allem in von Unruhen heimgesuchten afrikanischen Staaten als Hauptprobleme.

Sie sind kaum erforscht

Allerdings sind die Säugetiere auch als Jagdtrophäen begehrt: In den letzten zehn Jahren wurden fast 4000 Giraffenköpfe in die USA eingeführt. Naturschützer wollen deshalb ein weltweites Einfuhrverbot durchsetzen.

Über Giraffen ist überraschend wenig bekannt. Wissenschaftler streiten sich selbst darüber, ob es sich bei den neun verschiedenen Erscheinungsweisen der Tiere um verschiedene Arten oder nur um Unterarten handelt. Genetische Untersuchungen sollen den Streit nun beilegen. Dass die «sanften Riesen» bislang kaum erforscht worden seien, liege ironischerweise daran, dass sie bisher nicht als gefährdet galten, meint der britische Filmer David Attenborough.

Nicht nur die hohe Geburtenrate in Afrika sorgt dafür, dass wilde Tiere immer weniger Platz auf dem Kontinent nutzen können: Auch der Abbau von Bodenschätzen und die sich ausbreitenden Rinderherden drängen wilde Tiere an den Rand. 50 Prozent der Erdoberfläche sind inzwischen vom Menschen in Beschlag genommen, fast 10 Prozent mehr als noch vor 25 Jahren.

Die Hoffnung für die Langhälse liegt im Süden. Im südafrikanischen Krügerpark hat sich ihre Zahl in den vergangenen zwölf Jahren von 5500 auf 10 800 fast verdoppelt. Und von Südafrika aus wurden Giraffen wieder dort angesiedelt, wo sie ausgestorben waren: in Senegal, Malawi, Ruanda und Swasiland.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.04.2017, 21:55 Uhr

Artikel zum Thema

Schiess mich tot

Viele Wildtiere bekommen Sender, damit Biologen ihr Verhalten studieren können. Diese GPS-Signale geben jedoch auch Wilderern nützliche Hinweise. Mehr...

Wie die Giraffe ihren langen Hals bekam

Der Giraffenhals ist ein Musterbeispiel für die evolutionäre Entwicklung. Forscher haben nun die Veränderungen im Erbgut der Tiere untersucht. Mehr...

Umstrittene App-Safari im Krügerpark

Welttheater Innert Sekunden wissen Tausende vom gesichteten Elefanten. Das Naturerlebnis wird so zur gefährlichen Jagd. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Outdoor Laufen, wenn die Welt noch schläft

Mamablog Soll man dem künftigen Vater trauen?

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Fledermaus-Mann: Traditionell verkleidete Tänzer zelebrieren den «La Tirana»-Karneval in Chile. (15. Juli 2018)
(Bild: Ignacio Munoz) Mehr...