Südkorea beendet Suche nach Sewol-Vermissten

Die offenbar hoffnungslose Suche nach weiteren Opfern des südkoreanischen Fährunglücks wird eingestellt. Selbst die Angehörigen hatten darum gebeten.

Gibt neun Opfer nicht mehr frei: Die sinkende Fähre Sewol. (Archivbild)

Gibt neun Opfer nicht mehr frei: Die sinkende Fähre Sewol. (Archivbild) Bild: Keystone

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Rund sieben Monate nach der Fährkatastrophe der Sewol will die Regierung Südkoreas nicht weiter nach Vermissten suchen lassen. Die Unterwassersuche nach weiteren Opfern des Unglücks werde am Dienstag eingestellt, weil es nur noch eine geringe Chance gebe, dass die Überreste von den weiterhin neun Vermissten entdeckt würden, sagte Fischereiminister Lee Ju Young im Fernsehen.

Die Bekanntgabe des Suchstopps kommt nur wenige Stunden, bevor ein südkoreanisches Gericht gegen Crewmitglieder der Sewol ein Urteil fällen wollte. Der Crew wird vorgeworfen, bei der Katastrophe im April nachlässig gewesen zu sein und Passagiere zurückgelassen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe für den Kapitän und lebenslange Haft für drei andere Crewmitglieder gefordert.

Neun Menschen werden noch vermisst

Die Sewol war am 16. April an der Südküste des Landes auf dem Weg zur Touristeninsel Jeju gesunken. Bereits am Tag des Unglücks waren Rettungsmannschaften ausgerückt, um nach Überlebenden und Todesopfern zu suchen. Bislang wurden 295 Leichen gefunden. Neun Menschen werden nach wie vor vermisst. Die meisten Passagiere der Fähre waren Teenager, die sich auf einem Schulausflug befanden. Die Katastrophe hatte in Südkorea zu Trauer und Wut geführt.

«Die Regierung ist zu dem Schluss gekommen, dass die Suchen von Tauchern ihr Limit erreicht haben», sagte Lee. Kabinen der Fähre seien eingestürzt, der Winter stehe vor der Tür, was die Taucher in eine «sehr gefährliche Situation» bringen würde, sollten sie ihre Arbeit fortsetzen, so der Minister. Zwei zivile Taucher waren während der Suche gestorben. Selbst Familienmitglieder der Vermissten hätten die Regierung gebeten, die Unterwassersuche zu beenden.

«Sie bleiben gefangen im kalten Wasser»

Lee sagte weiter, die Regierung werde entscheiden, ob die untergegangene Fähre geborgen werde. Zuvor ziehe man die Meinung von Experten und Angehörigen der Opfer in Betracht. Die Familien hatten zuletzt die Sorge geäussert, dass eine Bergung die sterblichen Überreste beschädigen oder gar forttragen könne.

Ein Angehöriger einer vermissten Person sagte am Dienstag laut dem TV-Sender YTN unter Tränen, die Ankündigung treffe ihn hart. «Während unsere Lieben gefangen im kalten Wasser bleiben, ist diese Entscheidung unerträglich schmerzhaft für uns. Aber wir haben darum gebeten, dass die Sucheinsätze von jetzt an gestoppt werden.» (chk/AP)

Erstellt: 11.11.2014, 03:45 Uhr

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