Täter von Baton Rouge war Soldat im Irak

In der Hauptstadt des US-Bundesstaats Louisiana wurden gestern drei Polizisten erschossen. Jetzt werden erste Details zum mutmasslichen Täter bekannt.

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Nach den tödlichen Schüssen auf Polizisten im US-Bundesstaat Louisiana am Sonntag sind mehr Details über den mutmasslichen Täter bekannt geworden. Die Polizei identifizierte ihn als einen 29 Jahre alten afroamerikanischen Irak-Veteranen namens Gavin Long.

Am Sonntagmorgen hatte er in Baton Rouge das Feuer auf mehrere Polizeibeamte eröffnet und drei von ihnen getötet. Drei weitere Polizisten wurden verletzt, einer von ihnen kämpfte Stunden nach den Schüssen um sein Leben, wie die Polizei mitteilte. Der Täter wurde schliesslich von Polizisten getötet.

«Wann erhebt ihr euch endlich?»

Long hatte in den vergangenen Tagen über Twitter mit Blick auf die jüngsten Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze zur Gegenwehr aufgerufen. «Gewalt ist nicht die Antwort (es ist eine Antwort)», schrieb er. Weiter hiess es: «Wann erhebt ihr euch endlich, damit eure Leute nicht wie die Ureinwohner ausgerottet werden?»

Die Verbindung zwischen Long und seinem Online-Alter-Ego wurde gemäss der britischen Zeitung «The Guardian» und dem «Wall Street Journal» über die Registrierungsangaben seiner Websites hergestellt.

Kurz vor seiner Tat schrieb Long auf Twitter: «Nur weil man jeden Tag aufwacht, heisst das nicht, dass man jeden Tag lebt. Und nur weil man seinen physischen Körper ablegt, heisst das nicht, dass man tot ist.»

Kommentierte Attentat in Dallas wohlwollend

Seinen Einträgen zufolge war er vor kurzem nach Dallas gereist, den Schauplatz eines Heckenschützen-Angriffs auf die Polizei vor fünf Tagen, bei dem fünf Polizisten starben.

Auf YouTube-Videos, die mittlerweile entfernt wurden, soll Long/Setepenra das Attentat in Dallas wohlwollend mit dem Wort «Gerechtigkeit» beschrieben haben, wie der «Guardian» im Artikel schreibt. Long/Setepenra habe behauptet, er werde rund um die Uhr überwacht. Auch andere wie er sollen deswegen Body-Cams tragen.

Aus Kansas City

Long war als Marineinfanterist von 2008 bis 2009 im Irak stationiert und hatte nach seiner Rückkehr offenbar Probleme, im Alltag Fuss zu fassen. Er wurde nach fünf Jahren Dienst im Jahr 2010 als Sergeant (ein Unteroffiziersgrad) ehrenhaft entlassen.

Nach US-Medienberichten stammte er aus Kansas City (Missouri) und schoss genau an seinem 29. Geburtstag. Nach Angaben des Senders CNN soll er Interesse an obskuren staatlichen Verschwörungstheorien gezeigt haben. Darauf deuteten Internet-Aktivitäten des Mannes hin.

Als Ex-Soldat bereiste er Afrika

2011 liessen sich Long und seine Frau scheiden, nachdem sie rund zwei Jahren verheiratet waren. Sie hatten anscheinend keine Kinder. Longs Onlineverhalten weist darauf hin, dass er im Jahr 2015 eine längere Zeit in Afrika verbrachte – gemäss dem «Guardian» bereiste er Äthiopien, Uganda, Kenia und Ägypten.

Ebenfalls im vergangenen Jahr änderte er seinen Namen in Cosmo Ausar Setepenra und bezeichnete sich als Mitglied der Washitaw-Nation; das ist eine Gruppe von Afroamerikanern, die angibt, ihre Vorfahren hätten als Ureinwohner auf dem amerikanischen Kontinent gelebt.

Acht Minuten Terror

Zur Bluttat schritt Long/Setepenra am Sonntagmorgen. Nach Angaben von Polizeichef Mike Edmonson war um 8.40 Uhr Ortszeit (15.40 Uhr MESZ) in einer örtlichen Polizeizentrale ein Anruf eingegangen, wonach ein schwarz gekleideter, maskierter Mann eine Strasse entlangging. Zwei Minuten später seien Schüsse gefallen, die Polizisten kurz darauf zu Boden gegangen. Um 8.48 Uhr sei der Täter erschossen worden. Demnach erstreckte sich der Vorfall über gerade mal acht Minuten.

Nach unbestätigten Augenzeugenberichten soll der Täter vor den Schüssen in einem Fahrzeug am städtischen Polizeigebäude gesessen haben.

Angespannte Lage

Die Lage in Baton Rouge ist seit Tagen besonders angespannt: Dort war am 5. Juli der Schwarze Alton Sterling von Polizisten erschossen worden, während er am Boden lag. Das und tödliche Polizeischüsse auf einen zweiten Schwarzen in Minnesota hatten in den USA eine Welle des Protests gegen Polizeigewalt ausgelöst.

In der Nacht auf den 8. Juli war es dann zur Eskalation gekommen. Am Rande einer Demonstration erschoss ein einzelner Heckenschütze in Dallas fünf Polizisten. Seitdem waren Befürchtungen ständig gewachsen, dass es zu weiteren Eskalationen kommen könnte.

(mch/sda)

Erstellt: 18.07.2016, 07:36 Uhr

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