Täter von Daillon war Hauptmann

Die Armee war das Leben des Amokschützen, bis er aus medizinischen Gründen ausgemustert wurde. Die Behörden stellten einen Vormund, der aber nichts von dem Waffenarsenal des Täters wusste.

Schweigendes Gedenken: Hunderte von Menschen zünden bei einem Trauermarsch in Daillon Kerzen für die Opfer an. (5. Januar 2013)

Schweigendes Gedenken: Hunderte von Menschen zünden bei einem Trauermarsch in Daillon Kerzen für die Opfer an. (5. Januar 2013) Bild: Keystone

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Die Armee spielte eine zentrale Rolle im Leben des Schützen von Daillon VS, der letzten Mittwoch in dem Walliser Dorf drei Frauen erschoss und zwei Männer verletzte. Doch in der Armee könnte er auch an den Wendepunkt in seinem Leben gekommen sein, der in psychiatrische Behandlung und Verwahrlosung führte. Florian B. sei 2003 zum Hauptmann befördert worden, bestätigte Armeesprecher Christoph Brunner gegenüber der «SonntagsZeitung». Er hatte die RS bei den Minenwerfern gemacht, führte dann als Offizier eine Kompanie von etwa 100 Soldaten.

Dass die Armeekarriere dem jungen Mann besonders wichtig war, bestätigten verschiedene Bekannte den Medien in den letzten Tagen. Doch fast von einem Tag auf den anderen scheint sich alles geändert zu haben. «Er hat mir erzählt, dass er nach einer Beförderung ein Ritual über sich ergehen lassen musste», erzählte eine Freundin des Täters dem «Blick». «Das Ganze muss sehr gewalttätig gewesen sein. Es hat ihn traumatisiert, er war seither ein gebrochener Mann.»

Auch andere Bekannte berichten, dass der vorher nette und zugängliche junge Mann sich im Alter von 25 Jahren plötzlich verändert habe. Mehreren Kollegen erzählte er der «SonntagsZeitung» zufolge, dass er von drei Männern sexuell belästigt worden sei. 2005 wurde der Amokschütze einige Zeit in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen – auf Wunsch seiner Familie und der Behörden. Brunner zufolge wurde der heute 33-Jährige 2006 aus medizinischen Gründen für militäruntauglich erklärt und aus der Armee ausgeschlossen.

Armeewaffen eingezogen

Der Mann habe zwischen Ende 2003 und 2006 «keinen einzigen Diensttag geleistet». Damals wurden ihm auch alle Armeewaffen abgenommen. Doch angeblich schwor er damals, dass er sich neue Waffen beschaffen werde. Zuletzt lebte der Täter von der IV, war arbeitslos und wurde von einem offiziellen Vormund betreut. «Die Vormundschaft hat versagt», titelte gestern die Zeitung «Der Sonntag». Doch der zuständige Gemeindepräsident von Conthey VS, Christophe Germanier, nahm die Angestellten der Vormundschaftsbehörde in Schutz. «Es ist nicht möglich festzustellen, wer im Besitz einer Waffe ist und wer nicht», sagte er der Zeitung.

Diana Wider, Generalsekretärin der Konferenz der Kantone für Kinder- und Erwachsenenschutz, bestätigte der Zeitung, dass ein Vormund zwischen 80 und 100 Mündel betreuen müsse. Da bleibe wenig Zeit, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. «Primär besteht die Aufgabe der Vormundschaft darin, die jeweilige Person zu unterstützen», sagte Wider. «Und nicht darin, die Gesellschaft zu schützen.»

Ausser Lebensgefahr

Der 33-jährige Mann, der am Mittwoch während des Amoklaufes verletzt wurde, ist nicht mehr in Lebensgefahr, wie am Wochenende bestätigt wurde. Auch der zweite Verletzte, der 63-jährige Onkel des Täters, ist auf dem Weg der Besserung. Am Samstag zogen Hunderte Menschen in einem Schweigemarsch durch Daillon, um der drei getöteten Frauen im Alter von 32, 54 und 79 Jahren zu gedenken. Sie zündeten Kerzen vor der Kirche an. Die drei Opfer sollen heute und morgen beigesetzt werden – unter Ausschluss der Medien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.01.2013, 06:31 Uhr

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