Tamerlans Frau bricht das Schweigen

Katherine Russel, die Witwe des getöteten mutmasslichen Boston-Attentäters, sei erschüttert. Sie sichert den Ermittlungsbehörden ihre Mithilfe zu.

«Das war ein vollkommener Schock»: Katherine Russel, die Witwe von Tamerlan Tsarnaev, verlässt das Anwaltsbüro. (23. April 2013)

«Das war ein vollkommener Schock»: Katherine Russel, die Witwe von Tamerlan Tsarnaev, verlässt das Anwaltsbüro. (23. April 2013) Bild: Keystone

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Gut eine Woche nach dem Bombenanschlag in Boston hat die Frau eines der beiden mutmasslichen Attentäter ihr Schweigen gebrochen. Katherine Russel sicherte den Ermittlungsbehörden dabei ihre Mithilfe zu.

Die Frau des bei einer Schiesserei mit der Polizei getöteten Tamerlan Tsarnaev liess am Dienstag von ihren Anwälten Amato DeLuca und Miriam Weizenbaum eine Erklärung verlesen. Darin teilte sie mit, sie sei erschüttert, dass ihr Mann und dessen jüngerer Bruder Dzhokhar in den Anschlag mit drei Todesopfern und mehr als 260 Verletzten verwickelt seien.

«Das war ein vollkommener Schock», sagten die in Providence im Bundesstaat Rhode Island ansässigen Anwälte. Sie brachten auch die Trauer ihrer Mandantin über den Anschlag auf den Boston Marathon zum Ausdruck.

Paar hat eine dreijährige Tochter

«Die Toten und die Verletzten unter den Menschen, die gekommen waren, um einen Wettlauf und einen Feiertag zu feiern, haben Katie und ihrer Familie grosse Verzweiflung und Schmerz beschert», hiess es in der Erklärung.

Die 24-Jährige hatte Tamerlan Tsarnaev 2010 geheiratet. Das Paar hat eine dreijährige Tochter. US-Medien zufolge war Russel zum Islam konvertiert, nachdem sie ihren aus Tschetschenien stammenden Mann kennengelernt hatte.

Dzhokhar Tsarnaev, der derzeit im Krankenhaus behandelt wird und gegen den bereits Anklage erhoben wurde, bezeichnete nach Informationen von US-Medien seinen getöteten 26-jährigen Bruder als Drahtzieher des Anschlags in Boston. Ein US-Regierungsvertreter sagte dem Sender CNN, der 19-Jährige habe angegeben, dass Tamerlan «den Islam vor Angriffen schützen wollte».

Tamerlan stand unter Einfluss eines Freundes

Der getötete mutmassliche Bombenleger von Boston, Tamerlan Tsarnaev, hat sich nach Angaben seiner Familie unter dem ideologischen Einfluss eines Freundes zu einem fanatischen Islamisten gewandelt und politisch radikalisiert. Der mysteriöse Bekannte sei ihnen nur unter dem Vornamen Misha bekannt, sagte Tamerlans Onkel, Ruslan Zarni, der Nachrichtenagentur AP.

Auf Geheiss des Unbekannten hin habe Tamerlan das Boxen und sein Musikstudium aufgegeben, berichtete er. Fortan habe Tamerlan die US-Kriege in Afghanistan und im Irak angeprangert und kruden Verschwörungstheorien angehangen, wonach die Juden heimlich die Welt kontrollieren und der US-Geheimdienst CIA hinter den Anschlägen vom 11. September 2001 stecke. Der Bekannte habe einfach Tamerlans «Hirn übernommen», sagte Zarni.

Die beiden aus Tschetschenien stammenden Brüder Tamerlan und Dzhokhar hatten nach Einschätzung der US-Ermittler keine Verbindungen zu islamistischen Terrorgruppen. Das Motiv für den Anschlag soll aber dennoch in ihrem muslimischen Glauben zu finden sein.

Gesundheitszustand Dzhokhars «zufriedenstellend»

Der Gesundheitszustand von Dzhokhar Tsarnaev hat sich nach US-Justizangaben verbessert und sei mittlerweile «zufriedenstellend», teilte die Staatsanwaltschaft in Boston unter Berufung auf das Krankenhaus mit, in dem der 19-Jährige seit seiner Festnahme am Freitag behandelt wird.

Der junge Mann wird derzeit von den Ermittlern am Krankenbett vernommen. Tsarnaev soll gemeinsam mit seinem 26-jährigen Bruder Tamerlan am Montag vergangener Woche einen Doppel-Anschlag auf den Bostoner Marathon verübt haben. Dabei wurden drei Menschen getötet und mehr als 260 weitere verletzt. Auf ihrer Flucht sollen die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder einen Polizisten erschossen und einen weiteren Beamten schwer verwundet haben. Die Ermittler vermuteten einen islamistischen Hintergrund der Tat. Offenbar handelten die beiden Brüder alleine.

Während Tamerlan Tsarnaev nach einem Schusswechsel mit der Polizei starb, konnte Dzhokhar schwer verletzt gefasst werden. Nach Justizangaben wies der 19-Jährige Verletzungen am Kopf, an den Beinen und an einer Hand auf. Aufgrund einer Schusswunde am Rachen, die er sich Ermittlern zufolge wohl bei einem Selbstmordversuch zufügte, kann der Verdächtige kaum sprechen. (chk/sda/AP/AFP)

Erstellt: 24.04.2013, 04:14 Uhr

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