Tausende protestieren in Bangladesh gegen neue Mindestlöhne – zwei Tote

Die Textilarbeiter in Bangladesh gingen gegen die neuen Mindestlöhne der Regierung auf die Strassen. Die Demonstranten bezichtigten die Polizei, scharf geschossen zu haben – diese dementierte.

Sind mit ihren Arbeitsbedingungen nicht zufrieden: Textilarbeiterinnen in Dhaka. (8. November 2013)

Sind mit ihren Arbeitsbedingungen nicht zufrieden: Textilarbeiterinnen in Dhaka. (8. November 2013) Bild: Reuters

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Bei teils gewaltsamen Protesten der Textilarbeiter in Bangladesh gegen Niedriglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen sind am Montag mindestens zwei Menschen getötet worden. Tausende beteiligten sich an den Protesten, fast 140 Fabriken blieben geschlossen.

Laut Augenzeugen eröffnete die Polizei in Gazipur das Feuer auf die Demonstranten. Zwei Menschen seien getötet und mehrere verletzt worden. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück. Die beiden Toten seien vermutlich totgetrampelt worden, die Polizei habe keine tödlichen Waffen eingesetzt.

Textilarbeiter verlangen mehr

Laut Polizei beteiligten sich an den Protesten in Konabari im Bezirk Gazipur nördlich von Dhaka mindestens 10'000 Menschen sowie weitere Tausende in anderen Teilen des Bezirks. Auch in Ashulia, einem Vorort der Hauptstadt, beteiligten sich Näherinnen und Näher an den Streiks. Sie protestierten gegen den von der Regierung angekündigten neuen Mindestlohn, der ihnen zu niedrig ist.

Regierungschefin Sheikh Hasina hatte in der vergangenen Woche mit den Fabrikbesitzern eine Erhöhung des Mindestlohns von derzeit umgerechnet 38 Euro auf 50 Euro monatlich vereinbart. Die neue Untergrenze soll ab Dezember gelten. Viele Textilarbeiter verlangen aber eine Anhebung auf umgerechnet 75 Euro im Monat.

Gewerkschaften kritisierten, einige Unternehmer würden mit Erhöhung des Mindestlohns ihre Zuschüsse zu Essen und Fahrtkosten kürzen. Der Lohn erfahrener Arbeiter werde nicht in gleichem Masse angehoben wie der einfacher Arbeiter.

Niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen

Auch mit der Erhöhung des Mindestlohns gehören die Textilarbeiter in Bangladesh weiter zu den am niedrigsten bezahlten in der Welt. Dazu kommen die oft schlechten Arbeitsbedingungen. Im April war das Fabrikgebäude Rana Plaza nahe Dhaka eingestürzt; mehr als 1100 Menschen wurden getötet. Auch bei Bränden in Textilfabriken starben hunderte Arbeiter.

Bangladesh ist nach China der zweitgrösste Produzent von Textilien weltweit. Die rund 4500 Fabriken im Land produzieren rund 80 Prozent aller Exporte des Landes. (chk/sda)

Erstellt: 19.11.2013, 05:41 Uhr

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