Tiefer im braunen Sumpf

Dass Ikea-Gründer Ingvar Kamprad in seiner Jugend mit den Nazis sympathisierte, ist bekannt. Ein neues Buch enthüllt jetzt, dass er viel stärker und länger mit ihnen verbandelt war, als er bisher zugab.

«Platz für neue Ideen?»: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad wird seine Vergangenheit nicht los.

«Platz für neue Ideen?»: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad wird seine Vergangenheit nicht los.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Platz für neue Ideen», lautet der aktuelle Werbespruch des Möbelhauses Ikea. Über dessen 85-jährigen Gründer Ingvar Kamprad wurden jetzt weitere Details über sein Verhältnis zu sehr, sehr alten Ideen bekannt.

Im Jahr 1943 muss der damals 17 Jahre alte Kamprad eine derart wichtige Funktion in der schwedischen Nazi-Partei SSS innegehabt haben, dass der Geheimdienst Kamprads Post heimlich öffnete und eine Akte über ihn anlegte. Dies schreibt die schwedische Autorin und Journalistin Elisabeth Asbrink in einem neuen Buch. Kamprad habe «eine Art Funktionärsposition» in der SSS besetzt, heisst es in dem Buch.

Bewunderung bis heute

Die Staatsschützer kamen zum Schluss, Kamprad sei ein aktiver Nazi und werbe Mitglieder für die Partei an. Aus den abgefangenen Briefen gehe hervor, dass Kamprad viel Zeit und Energie in die politische Arbeit gesteckt habe.

Kamprads Nazi-Vergangenheit war erstmals 1994 öffentlich geworden. Über seine SSS-Mitgliedschaft wusste man bisher jedoch nichts. Asbrinks demnächst erscheinendes Buch soll auch belegen, dass Kamprad noch lange nach Kriegsende Kontakte zu einem bekannten Nationalsozialisten hatte, den er auch heute noch bewundern soll.

«Grösster Fehler» seines Lebens

Noch 1950 soll er diesem einen Brief geschrieben und darin seinen Stolz zum Ausdruck gebracht haben, Teil schwedischer Neonazi-Kreise zu sein. Wie die deutsche taz berichtet, sagte er Journalistin Asbrink im vergangenen Jahr in einem Interview: «Dass er ein grosser Mensch war, daran werde ich festhalten, solange ich lebe.»

Kamprads Sprecher kommentierte heute lediglich: «Jeder weiss, dass Ikea ein multikulturelles Unternehmen ist.» Kamprad betrachte seine damaligen Aktivitäten nach wie vor als «grössten Fehler» seines Lebens.

Kamprad, der in der Waadtländer Gemeinde Epalinges lebt, gilt als einer der reichsten Bewohner der Schweiz. Sein Vermögen wird aktuell auf rund 6 Milliarden Dollar geschätzt.

Erstellt: 25.08.2011, 10:14 Uhr

Artikel zum Thema

«Wir haben nichts zu verstecken»

In einem Interview verspricht Ikea-Gründer Ingvar Kamprad mehr Transparenz. Kamprad betont aber auch, wie gering sein Einfluss innerhalb des Konzerns mittlerweile sei. Mehr...

Ikea-Gründer Kamprad verspricht mehr Transparenz

Möbelhandel Stockholm Der Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hat mehr Transparenz bei seinem Möbelkonzern versprochen. Mehr...

Bericht: Ikea-Gründer hinterzieht Steuern

Eine Fernsehdokumentation wirft ein schlechtes Licht auf Ikea-Gründer Ivar Kamprad, der in der Schweiz lebt. Er soll in grossem Stil Geld am Steuervogt vorbeigeschleust haben. Mehr...

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Keine Berührungsängste: In der Dinosaurierfabrik von Zigong in China wird ein voll beweglicher Dinosaurier hergerichtet. China produziert 85% aller Dinosaurier weltweit. (13. November 2019).
(Bild: Lintao Zhang/Getty Images) Mehr...