Touristen in Thailand mit unsinnigen Tattoos verhöhnt

Ein thailändischer Tätowierer hat ahnungslose Ausländer mit Profanem statt mit Heiligem verziert. In den Social Media des Landes lacht man sich krumm.

«Frische Frühlingsrollen» – eigentlich wollte sie ja etwas Tiefgründiges tätowiert haben. (Imgur)

«Frische Frühlingsrollen» – eigentlich wollte sie ja etwas Tiefgründiges tätowiert haben. (Imgur)

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Angelina Jolie hat es gemacht, Brad Pitt hat es gemacht, und unzählige Touristen machen es auch: Sich in Thailand eine Tätowierung stechen lassen. Aber nicht irgendeine, sondern ein sogenanntes Sak Yant: ein heiliges, magisches, religiös aufgeladenes Tattoo, dessen Träger ein besserer Mensch wird. Oder werden sollte.

«Sak Yant verbindet viele spirituelle Elemente, das Tattoo ist Ausdruck einer komplizierten Glaubenswelt, in der sich animistischer Geisterkult mit brahmanischen, hinduistischen und buddhistischen Einflüssen mischt», war vor einiger Zeit in der «Süddeutschen Zeitung» zu lesen. Sak Yant, das sind optisch reizvolle Kombinationen von geometrischen Formen, altehrwürdigen Buchstaben und mysteriös anmutenden Tierdarstellungen.

Also genau das, wonach die ganzen Selfie-Social-Media-Egomanen lechzen. Längst sind es nicht nur Mönche, die in Thailand ein Sak Yant stechen, sondern auch «normale Tätowierer». Zwar hiess es damals in der «Süddeutschen»: «Wer ein Sak Yant nur zu dekorativen Zwecken wählt, verfehlt den spirituellen Zweck der Tinte.» Und: «Eine als exotisch empfundene Ästhetik löst den spirituellen Gehalt ab.» Aber kümmert das einen Thailand-Touristen? Eben.

«Ich liebe Schwänze»

Wenn das so ist, muss sich ein thailändischer Tätowierer gesagt haben, dann stossen wir die ganze Angelegenheit doch richtig tief in die Niederungen des Profanen hinab. Und tätowierte seinen Kunden statt buddhistisch-hinduistisch-brahmanischer Weisheiten zum Beispiel: «Frische Frühlingsrollen» auf den Rücken – natürlich, ohne den Opfern, die ja kein Thai sprachen, etwas davon zu sagen.

Der Scherz mit Langzeitwirkung flog auf, als eine junge Frau stolz ein Bild mit ihrem vermeintlichen Sak Yant auf sozialen Medien postete und dann von sprachkundigen Usern informiert wurde. In Thailand sind Bilder mit Westlern, die ebenso stolz wie unwissend mit Einträgen aus der Speisekarte und ähnlichem herumlaufen, «viral gegangen», wie man im Social-Media-Slang so schön sagt. Das heisst, sie haben sich verbreitet wie Viren.

Eine Aufschrift lautet zum Beispiel: «Schmieriger Hühnerreis». Eine andere besteht aus dem Namen eines Restaurants. Und dann sind offensichtlich vor allem junge Männer mit Anstössigem verunziert worden, etwa «Ich liebe Schwänze.»

Nicht heilig, sondern vulgär. Aber nur wer Thai kann, merkt es. Bild: Imgur

Dass auf Social Media über die Opfer gelacht und gespottet wird, versteht sich von selbst. Das Bild mit der jungen blonden Frau und den Frühlingsrollen provozierte Kommentare wie: «Sicher eine Amerikanerin oder eine Australierin.» «Vielleicht ist sie Kellnerin in einem chinesischen Restaurant.» «Vielleicht sollte sie etwas Pflaumensauce drüber schmieren.» «Besser ‹Frühlingsrollen› als ‹Seele eines Kriegers›. Geschmackvoll und friedlich, warum nicht?» Nur vereinzelt wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die Taten des Tätowierers nicht verwerflich sind und allenfalls der thailändischen Tourismusindustrie schaden könnten.

Vielleicht liess sich der Unbekannte ja auch von einem alten Monty-Python-Sketch inspirieren:

Monty Python über Ungarn in London. Quelle: Youtube

Erstellt: 25.09.2018, 19:34 Uhr

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