US-Milliardär soll Dutzende Minderjährige missbraucht haben

Investmentbanker Jeffrey Epstein weist vor Gericht die Anschuldigungen der New Yorker Staatsanwaltschaft zurück.

«Wir gehen von einem bedeutenden Fluchtrisiko aus»: Ein Justiz-Angestellter präsentier ein grosses Plakat mit dem Porträt den Angeklagten auf. (Reuters/Shannon Stapleton/8. Juli 2019)

«Wir gehen von einem bedeutenden Fluchtrisiko aus»: Ein Justiz-Angestellter präsentier ein grosses Plakat mit dem Porträt den Angeklagten auf. (Reuters/Shannon Stapleton/8. Juli 2019)

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Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht haben. Die Anklage wirft dem 66-Jährigen Sexhandel und Verschwörung zum Sexhandel vor, wie aus der am Montag von einem Bezirksgericht des Bundesstaats New York veröffentlichten Anklageschrift hervorgeht.

Vor Gericht wies der Investmentbanker die Anschuldigungen zurück. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 45 Jahre Haft.

Eine weitere Anhörung, bei der Epstein auf Kaution vorerst frei kommen könnte, wurde für Donnerstag angesetzt. Staatsanwalt Geoffrey Berman kündigte an, er werde Gewahrsam bis zur Gerichtsverhandlung beantragen. «Wir gehen von einem bedeutenden Fluchtrisiko aus», sagte Berman. Die Anschuldigungen wögen sehr schwer.

Die Übergriffe fanden Staatsanwalt Berman zufolge zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York, Palm Beach und an anderen Orten statt. Einige der Mädchen waren demnach erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung». Epstein sei zudem bewusst gewesen, «dass viele der Opfer Minderjährige waren».

Nicht das erste Mal

Bereits 2007 war der Investmentbanker wegen ähnlicher Anschuldigungen von einem Bezirksgericht im Bundesstaat Florida verurteilt worden. Aufgrund einer gerichtlichen Vereinbarung, die der heutige US-Arbeitsminister Alexander Acosta als damaliger Staatsanwalt mit ausgehandelt hatte, erhielt er aber nur eine 18-monatige Haftstrafe und kam nach 13 Monaten frei.

Zeichnung aus dem Gerichtssaal: Die Vorwürfe an den Angeklagten (M., mit weissem Haar) sind schwerwiegend. (Bild: Keystone)

Recherchen des «Miami Herald» ergaben zudem, dass der Milliardär, der unter anderem US-Präsident Donald Trump und Ex-Präsident Bill Clinton als seine Freunden nennt, grosszügige Hafterleichterungen wie täglichen Freigang genoss. Durch die Enthüllungen der Zeitungen rückte auch die Rolle Acostas in der Angelegenheit in den Fokus.

Gefragt nach der Gültigkeit der damaligen gerichtlichen Vereinbarung sagte Staatsanwalt Berman, sein Gerichtsbezirk in New York habe die Einigung nicht unterzeichnet und sei nicht daran gebunden. Epstein war am Samstag mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. (fal/afp)

Erstellt: 08.07.2019, 23:31 Uhr

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