Überfüllte Züge: SBB zwingen Passagiere auszusteigen

Wegen Überbelegung mussten Dutzende Passagiere auf dem Weg in den Süden Züge verlassen und auf die nächste Verbindung warten.

Vorläufige Endstation Art-Goldau: Auf dem Weg ins Tessin mussten Dutzende Zugpassagiere aussteigen. Bild: Leser-Reporter

Vorläufige Endstation Art-Goldau: Auf dem Weg ins Tessin mussten Dutzende Zugpassagiere aussteigen. Bild: Leser-Reporter

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Vielerorts haben am Samstag die Herbstferien begonnen. Eine Leserin wollte ins italienische Como reisen, um dem tristen Wetter in der Nordschweiz zu entfliehen. Als der Eurocity in Arth-Goldau hielt, überraschte sie die darauffolgende Durchsage. «Der Zug war bumsvoll, sodass die Durchsage kam, der Zug fahre nicht weiter, falls hier nicht 30 bis 40 Leute aussteigen», berichtet die Erste-Klasse-Passagierin.

Als Alternative sei diesen Passagieren ein Zug angeboten worden, der eine Stunde später in Lugano eintreffen sollte. «Ich empfand diese Durchsage als Nötigung. Ich hätte erwartet, dass die SBB auf den Ferienverkehr vorbereitet sind.» Da der Zug schliesslich weitergefahren sei, nehme sie an, dass genügend Passagiere ausgestiegen seien. «Aber liebe SBB, gute Planung sieht anders aus. Wie wär es mit Entlastungszügen?», kritisiert die Leser-Reporterin.

«Uns hat es abgelöscht»

Eine Stunde später bekam eine weitere Leserin in Arth-Goldau dieselbe Durchsage zu hören. «Es hiess, dass 30 bis 40 Leute aussteigen müssten, ansonsten könne der Zug aus Sicherheitsgründen nicht durch den Gotthard Basistunnel fahren.» Sie und ihre Begleiterin seien der Aufforderung gefolgt.

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Eigentlich hätten sie einen Ausflug auf den Monte Brè bei Lugano machen wollen, so die 51-Jährige. Sie fahre seit 40 Jahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln – so etwas habe sie aber noch nie erlebt. «Mit dem Chaos hat es uns abgelöscht. Wir fahren nun wieder nachhause und verdauen den Frust mit einem Fondue.»

Endstation Bellinzona

Eine weitere Passagierin, die von den Ereignissen betroffen ist, berichtet, die Stimmung im Zug sei angespannt und aggressiv. «Es wird gedrängelt, geschubst und lautstark diskutiert», erzählt die 16-Jährige. «Eine Frau diskutierte heftig mit dem Kontrolleur und gab ihm die Schuld an der Überfüllung des Zuges.»

In Rotkreuz im Kanton Zug sei den Reisenden mitgeteilt worden, dass mindestens 30 Personen pro Waggon den Zug verlassen müssten. Da offenbar nicht genügend Passagiere der Durchsage gefolgt seien, habe der Zug nicht durch den Basistunnel fahren können. «Unser Zug fährt nicht bis nach Lugano. Bellinzona wird unsere Endstation sein.» Vor allem für Gruppen, die reserviert hätten, sei dies ein Problem.

«Jedes verfügbare Rad rollt an diesem Wochenende»

Die SBB begründen die Aufforderungen zum Aussteigen mit Sicherheitsbestimmungen für den Gotthardtunnel. «Wir riskieren keine Menschenleben», sagt Mediensprecher Daniele Pallecchi. Unser Zugpersonal ist verpflichtet, jederzeit alle Durchgänge und Notausgänge freizuhalten.» Das sei nur bis zu einer Belegung von 140 Prozent möglich. Die Passagiere, die den Zug verliessen, hätten einen Konsumationsgutschein von fünf Franken erhalten.

Die SBB rufen Reisende dazu auf, in der Ferienzeit, an Feiertagen oder an Wochenenden die Auslastung der Züge mit einer Fahrplanabfrage zu kontrollieren und allenfalls Platzreservierungen zu tätigen. «Wer einen Platz reserviert, kann sich den Betrag an die Konsumation im Bistro anrechnen lassen.»

Der Einsatz von Entlastungszügen in den Süden ist laut Pallecchi nicht unendlich möglich. «Jedes verfügbare Rad rollt an diesem Wochenende. Doch länger als 400 Meter kann ein einzelner Zug leider nicht werden.»

(red)

Erstellt: 05.10.2019, 15:46 Uhr

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