Unachtsamkeit oder Schwächeanfall des Chauffeurs führten zum Busdrama im Wallis

Der Carunfall in Siders, bei dem 28 Menschen starben, lässt sich auch nach zwei weiteren Gutachten nicht restlos klären. Die Walliser Staatsanwaltschaft wird das Verfahren höchstwahrscheinlich einstellen.

Die Familien der Opfer sind über die Neuigkeiten informiert worden: Der verunfallte belgische Reisecar. (13. März 2012)

Die Familien der Opfer sind über die Neuigkeiten informiert worden: Der verunfallte belgische Reisecar. (13. März 2012) Bild: Reuters

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Mehr als ein Jahr nach dem tragischen Busunglück im Wallis kommt der ermittelnde Schweizer Staatsanwalt Olivier Elsig zum Schluss, dass der Chauffeur unaufmerksam oder krank war. Da beides ausschliesslich den Chauffeur betrifft, wird eine Einstellung des Verfahrens in Erwägung gezogen, wie die Walliser Staatsanwaltschaft mitteilt. Die Betroffenen des Unglücks können allerdings zusätzliche Abklärungen verlangen.

Staatsanwalt Elsig war am Montag nach Belgien gereist, um die Familien der Opfer des Carunglücks über die Zusatzgutachten des Universitätszentrums für Rechtsmedizin Lausanne-Genf zu informieren. Laut Elsig stellten die Gutachter fest, dass die beim 34-jährigen Chauffeur am Tag nach dem Unglück diagnostizierte Erkrankung des linken Herzkranzgefässes bei jungen Männern eher selten ist. Sie könne einen akuten Herzinfarkt, eine Angina pectoris oder Herzrhythmusstörungen verursachen. Dies hätte zu einem Unwohlsein und in der Folge zu einem Verlust der Herrschaft über das Fahrzeug führen können, was aber nachträglich unmöglich festzustellen sei.

Antidepressivum mit Tätigkeit eines Chauffeurs vereinbar

Wenig wahrscheinlich ist es laut dem Gutachten auch, dass das Antidepressivum, das der Chauffeur einnahm, dessen Fahrfähigkeit eingeschränkt hat. Der Chauffeur habe das Medikament seit nahezu zwei Jahren eingenommen und die Dosis Anfang 2012 im Hinblick auf eine spätere gänzliche Einstellung halbiert. Die tägliche Einnahme von Paroxetin sei gemäss einschlägigen französischen Richtlinien mit der Tätigkeit eines Berufschauffeurs vereinbar.

Bereits in den ersten Monaten der Ermittlungen waren mehrere Unfallursachen ausgeschlossen worden. Etwa, dass der Chauffeur unter Einfluss von Alkohol oder Betäubungsmitteln stand. Aus dem Obduktionsbericht ging zudem hervor, dass der Fahrer an den Verletzungen starb, die er sich beim Unfall zugezogen hatte. Ausgeschlossen wurden auch technische Ursachen, denn sowohl Achsen als auch Pneus und Bremsen des Fahrzeuges waren in Ordnung. Die Auswertung des Tachografen und der Videoaufnahmen zeigten zudem, dass der Fahrer nicht zu schnell fuhr und in den Sekunden und Minuten vor dem Unfall weder telefonierte noch SMS verschickte. Auch die These eines Selbstmords des Chauffeurs konnte nicht erhärtet werden.

Beim Unfall am 13. März 2012 im Tunnel der A 9 bei Siders hatten 22 Kinder und sechs Erwachsene ihr Leben verloren. Weitere 24 Kinder wurden teilweise schwer verletzt. Ein belgischer Reisecar war frontal in eine Nothalte-Nische des Tunnels geprallt. (wid/vin/sda)

Erstellt: 21.05.2013, 13:58 Uhr

«Der Grund für den Unfall liegt ausschliesslich beim Chauffeur»: Olivier Elsig, Staatsanwalt des Kantons Wallis.

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