Reportage

«Unser Keller wurde zweimal überschwemmt»

Augenschein im Hochwasser-geplagten Widnau SG: Der Binnenkanal trat über die Ufer und überflutete ein ganzes Wohnquartier.

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Seit dem frühen Samstagmorgen kämpfen in Widnau Feuerwehr, Zivilschutz und Anwohner gegen die Wassermassen. «Das Wasser floss mit bis zu 137 Kubikmeter pro Sekunde durch den Binnenkanal», sagt Marco Köppel. Er ist Vorsteher des Werkhofs Widnau und leitet die Hochwasserbekämpfung. Der Damm aus Sandsäcken entlang des Binnenkanals war diesen Wassermassen nicht gewachsen und gab nach. Die Folgen sind vor allem im Wohnquartier um den Höchstweg und die Birkenstrasse zu sehen.


Überflutetes Wohnquartier in Widnau. (Video: Jan Derrer)

Überall liegen Wasserschläuche am Boden, und die Motoren der Pumpen lärmen. Feuerwehrmänner und Zivilschützer tragen kleine Pumpen durch die Gärten. Kinder fahren mit dem Velo durch kniehoch überschwemmte Strassen. Unzählige Keller und Garagen sind bis zur Decke unter Wasser. Vor den Häusern stehen Möbel. Die Hausbesitzer säubern hektisch Strassen und Vorplätze. Die Stimmung ist trotz der Ausnahmesituation gelöst, jeder hilft jedem. Am Binnenkanal spazieren Familien, verliebte Pärchen und Rentner. Sie begutachten die Schäden und zücken die Handys.

Bis zur Decke überschwemmt

Besonders hart getroffen hat es Tanja Wiederkehr. «Unser Keller wurde zweimal überschwemmt. Zuerst von Freitag auf Samstag. Wir bekamen ihn dank der Hilfe unserer Söhne und einer Freundin trocken. Heute Morgen wurde er nochmals überschwemmt, bis zur Decke.» Ihr Mann Marco war derweil in London, Tanja Wiederkehr hielt ihn telefonisch auf dem Laufenden. «Ich bin erst heute zurückgekommen. Die Nachbarn sagen, so schlimm sei es noch nie gewesen», sagt er.

Ein bisschen mehr Glück im Unglück hatte Armin Baumgartner. Er spritzt vor seinem Haus gerettete Möbel ab. «Unseren Keller hat es weniger schlimm erwischt als die der Nachbarn. Wir haben ungefähr 40 cm Wasser.»

Dauereinsatz von Feuerwehren und Zivilschutz

Neben der Feuerwehr Mittelrheintal und dem Zivilschutz sind viele Anwohner beim Putzen der Vorplätze und Strassen zu sehen. Laut Marco Köppel wurden über 100 Keller überschwemmt. Insgesamt stehen ihm 130 Einsatzkräfte zur Verfügung. Immer wieder rücken seine Leute zum Kellerauspumpen aus. An Schlaf können sie nicht denken.

Die Feuerwehrfrau Diana Kocnar hat heute bloss 90 Minuten geschlafen: «Wir mussten immer wieder abpumpen und Dämme reparieren.» Im Werkhof Widnau verpflegen sich die Helfer mit Kaffee, Wienerli und Brot. Er dient auch als Koordinationszentrale für die Einsätze. Bis wann sie andauern, kann Einsatzleiter Marco Köppel nicht sagen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.06.2013, 17:26 Uhr

Überschwemmung in Widnau SG

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