Urteil im Fall Tugçe: Täter muss drei Jahre in Jugendhaft

Die 22-jährige Tugçe wurde zum Symbol für Zivilcourage. Jetzt hat das Gericht Sanel M. wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Der Täter akzeptiert das Urteil aber nicht.

Ins Koma geprügelt: Das Urteil im Fall Tugce Albayrak ist gefallen.
Video: Reuters

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Zu drei Jahren Gefängnis hat das Landgericht Darmstadt am Dienstag den Angeklagten im Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin Tugçe verurteilt. Die Richter sprachen den 18-jährigen Sanel M. nach dem Jugendstrafrecht der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig.

Das deutsche Recht sieht vor, dass die Haftstrafe nach der Hälfte auf Bewährung ausgesetzt werden kann, wie Staatsanwalt Alexander Homm sagte. Von diesen noch eineinhalb Jahren werden sieben Monate Untersuchungshaft abgezogen, die der Veruteilte bereits abgesessen hat. Mit anderen Worten: Sanel M. könnte schon nach elf Monaten wieder auf freiem Fuss sein.

Sanel M. schlug ihr ins Gesicht

Der Angeklagte hatte zugegeben, der 22-Jährigen im November vergangenen Jahres auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Offenbach heftig ins Gesicht geschlagen zu haben. Die junge Frau stürzte und schlug mit dem Kopf hart auf den Boden auf. Sie fiel in ein Koma, aus dem sie nicht mehr erwachte.

Wie deutsche Medien berichten, akzeptiert der Täter das Urteil nicht. «Wir werden in Revision gehen», sagte sein Anwalt Heinz-Jürgen Borowsky. Man halte die Begründung des Gerichts nicht für überzeugend. Es hätte bessere Möglichkeiten für Sanel M. gegeben, als ihn jetzt im Gefängnis wegzusperren, so die Meinung der Verteidigung.

Verteidigung forderte Bewährungsstrafe

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert. Die Nebenklage verlangte eine längere Haftdauer, hatte aber keinen konkreten Zeitraum genannt. Aus Sicht der Verteidigung hätte eine Bewährungsstrafe ausgereicht.

Der gewaltsame Tod von Tugçe hatte deutschlandweit grosse Anteilnahme ausgelöst. Die Studentin soll vor der Tat in der Toilette des Restaurants zwei Mädchen vor dem Angeklagten beschützt haben. (woz/pat/SDA)

Erstellt: 16.06.2015, 11:42 Uhr

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