Verfahren des Walliser Busdramas wird vermutlich eingestellt

Ein Jahr nach dem Busunglück im Wallis mit 28 Toten bleibt die Ursache ungeklärt. Abzuwarten sind zwei Gutachten, die den Fahrer betreffen. Die Schweiz und Belgien bereiten sich auf den Jahrestag der Tragödie vor.

Der belgische Reisecar fährt in einem Tunnel in Siders mit voller Wucht in eine Tunnelwand: Das Unglücksfahrzeug.

Der belgische Reisecar fährt in einem Tunnel in Siders mit voller Wucht in eine Tunnelwand: Das Unglücksfahrzeug. Bild: Reuters

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Auch ein Jahr nach dem Unfall eines belgischen Reisecars, bei dem 28 Menschen, darunter 22 Kinder, starben, ist die Unfallursache nach wie vor unklar. Das Strafverfahren wird vermutlich eingestellt, wie der zuständige Staatsanwalt der Nachrichtenagentur sda sagte.

Der mit der Untersuchung des Busdramas vom 12. März 2012 beauftragte Staatsanwalt Olivier Elsig wartet nach wie vor auf zwei Gutachten zum Busdrama vor einem Jahr. Diese konzentrieren sich beide auf den jüngeren Chauffeur, der das Steuer des Cars kurz vor der Einfahrt in den Tunnel der A9 nahe Siders übernommen hatte.

Die Schlussfolgerungen aus den Gutachten würden im April veröffentlicht, sagte Elsig auf Anfrage der sda. Ausstehend ist zum einen der Bericht eines Herzspezialisten zu einem allfälligen Schwächeanfall aufgrund einer koronaren Erkrankung, die bei der Autopsie festgestellt worden war.

Technische Ursachen ausgeschlossen

Der Chauffeur litt demnach unter einer Atherosklerose - einer verstärkten Fettablagerung - des linken Herzgefässes, welches dadurch verengt war. Ein zweites Gutachten prüft den Einfluss verschiedener Substanzen auf das Fahrverhalten im Zusammenhang mit einem Antidepressivum, das der Chauffeur täglich eingenommen hatte.

Als Unfallursache ausgeschlossen worden war, dass der Chauffeur unter Einfluss von Alkohol oder Betäubungsmitteln stand. Aus dem Obduktionsbericht ging zudem hervor, dass der Fahrer an den Verletzungen starb, die er sich beim Unfall zugezogen hat.

Ausgeschlossen wurden ferner auch technische Ursachen, denn sowohl Achsen als auch Pneus und Bremsen des Fahrzeuges waren in Ordnung. Die Auswertung des Tachographen und der Videoaufnahmen zeigten zudem, dass der Fahrer nicht zu schnell fuhr und in den Sekunden und Minuten vor dem Unfall weder telefonierte noch SMS verschickte.

Selbstmord-Hypothese wird ausgeschlossen

Auf den letzten Metern vor der Kollision war der Car mit einer Geschwindigkeit zwischen 99 und 100 Kilometern pro Stunde unterwegs. Weil beim Chauffeur in den Sekunden vor dem Aufprall jegliche Reaktion zu fehlen schien, vermuteten Familienangehörige, dass es sich vielleicht um einen Selbstmord handelte.

Diese These kann laut Elsig zurzeit aber durch nichts gestützt werden. Für den Untersuchungsrichter bleiben zum gegenwärtigen Zeitpunkt einzig zwei Hypothesen offen: Entweder sei der Chauffeur unaufmerksam gewesen oder er habe ein Gesundheitsproblem gehabt.

Sollte sich bestätigen, dass die einzige mögliche Ursache des Unfalls im Zusammenhang mit der Person des verstorbenen Chauffeurs stehe, werde eine Einstellung des Verfahrens ins Auge gefasst, sagte Elsig. Den Parteien stehe in jedem Fall die Möglichkeit offen, allfällige zusätzliche Untersuchungen zu verlangen.

Der belgische Reisecar mit 52 Personen an Bord war am Abend des 13. März 2012 auf der Rückreise von Skiferien im Wallis im Tunnel der A9 im Rhonetal frontal in die Wand einer Nothalte-Nische geprallt. Beim Unfall wurden 22 Kinder und sechs Erwachsene getötet. 24 Kinder wurden teilweise schwer verletzt.

Gedenkfeiern in Belgien und der Schweiz

Die Schweiz und Belgien bereiten zum ersten Jahrestag des tragischen Busunglücks Gedenkanlässe vor. In Siders ist am Mittwoch, dem 13. März, um 18 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Kirche Sainte-Croix geplant. In Belgien wird einen Tag später mit der Enthüllung eines Kunstwerkes in Lommel, woher die meisten verunfallten Primarschüler stammten, des Dramas gedacht.

Auch in Saint Luc im Val d'Anniviers, wo die verunfallten Kinder vor einem Jahr ihre Skiferien verbrachten, erinnert ein aus dem heimischen Fels gehauener Stein mit einer Inschrift an das unfassbare Ereignis. Initiiert wurde das Mahnmal von der Gesellschaft Intersoc, dem Feriendienst der christlichen Versicherungen Belgiens, welche die Ferien organisiert hatte.

Dass belgische Kinder im Val d'Anniviers ihre Ferien verbringen, hat eine lange Tradition. Diese soll trotz des Busdramas weitergeführt werden. Hoffnungsvoll ist auch die Gedenkinschrift neben den eingravierten Vornamen der Opfer: «Hab keine Angst vor der Nacht, denn ich weiss, dass Dich das Licht erwarten wird.» (wid/sda)

Erstellt: 10.03.2013, 08:25 Uhr

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