Verletzter Portier der Schweizer Botschaft verliert seine Hände nicht

Der durch eine Bombe verletzte Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Rom ist operiert worden. Laut dem zuständigen Arzt wird der 53-Jährige längerfristig keine gravierenden Schäden davontragen.

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In der Schweizer Botschaft in Rom ist eine Bombe explodiert. Dabei wurde der Kurierverantwortliche schwer verletzt, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA bestätigt.

Die Bombe explodierte, als der 53-Jährige gegen Mittag ein an die Botschaft adressiertes Päckchen öffnete, sagte der Polizeikommandant vor Ort gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Der Portier sei alleine im Zimmer gewesen. Er ist bei dem Anschlag an den Händen verletzt worden. Der Mann wurde sofort operiert. Eine Amputation der Hand sei nicht nötig, zitierte die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos Niccolò Scuderi, den Direktor der Abteilung für Plastische Chirurgie der römischen Poliklinik Umberto I.

Die grössten Probleme habe es bei der linken Hand, insbesondere am Ringfinger, gegeben, sagte der Arzt. Die meisten Funktionen könnten wahrscheinlich aber gerettet werden. Zudem habe der Mann einige Knochenbrüche erlitten.

Bei den Schweizer Institutionen in Italien herrsche nach dem Anschlag eine gewisse Aufregung, sagte «Tages-Anzeiger»-Italien-Korrespondent René Lenzin gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Schweizer Schulen und die Schweizerische Handelskammer seien angewiesen worden, bei der Post besonders vorsichtig zu sein.

Racheakt von Anarchisten?

Bislang ist unklar, wer hinter der Tat steckt. Die italienischen Ermittler vermuten laut Medienberichten anarchistische Gruppen hinter dem Anschlag. Im Fokus stehen vor allem Ökoterroristen, die sich mit der Tat für die Inhaftierung mehrerer ihrer Mitglieder in der Schweiz rächen könnten, wie der «Corriere della Sera» schreibt. Unter den Inhaftierten befindet sich auch Marco Camenisch (siehe Box).

Laut EDA hat sich bislang niemand zur Tat bekannt. «Wir wissen noch nicht, wer dahinter steckt», sagt der Polizeikommandant vor Ort gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Es sei noch nicht klar, woher das Paket gesandt worden sei.

Paketbombenserie im November

Eine Paketbombenserie vom November wurde jedoch von den Ermittlern Anarchisten in Griechenland zugeschrieben. Die Sendungen waren von Athen aus an verschiedene internationale Stellen geschickt worden, darunter auch die Schweizer Botschaft in Rom sowie das deutsche Bundeskanzleramt. Vermutet wurde damals, dass griechische Anarchisten die Pakete aus Protest gegen die Sparpläne der Regierung versandt hatten. Bestätigt wurde diese Information jedoch nicht. Das griechische Parlament hat gestern das stark gekürzte Budget 2011 verabschiedet.

Erstellt: 23.12.2010, 19:34 Uhr

Calmy-Rey verurteilt die Tat

Schärfste verurteilt. Die Explosion einer Bombe sei eine «heimtückische und unverzeihliche Tat». «Ich möchte dem betroffenen Mitarbeiter und seinen Angehörigen mein tiefes Mitgefühl aussprechen und hoffe von ganzem Herzen, dass wir rasch gute Neuigkeiten betreffend seines Gesundheitszustandes erhalten werden», wird Calmy-Rey in einer schriftlichen Stellungnahme vom Donnerstag zitiert.

Bei der Explosion einer Paketbombe in der Schweizer Botschaft wurde am Mittag ein Mitarbeiter schwer an den Händen verletzt. «Die Verletzungen des betroffenen Mitarbeiters sind ernst, aber nicht lebensbedrohlich», heisst es in der Stellungnahme weiter. Er befinde sich in Spitalpflege. Zurzeit würden die Sicherheitsmassnahmen bei der Schweizer Botschaft in Rom in Absprache mit den italienischen Behörden verstärkt. Einzelheiten dazu gab das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) nicht bekannt. (sda)

Marco Camenisch

Die Ermittler vermuten laut «Corriere della Sera», dass hinter dem Anschlag italienische Anarchisten stecken könnten, die sich für die Inhaftierung von Marco Camenisch in der Schweiz rächen wollen. Es handelt sich um eine unbestätigte Vermutung.

Der als Ökoterrorist bekannte Straftäter Marco Camenisch ist 2004 wegen Mordes an einem Grenzwächter zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Später wurde die Haftstrafe vom Bundesgericht gekürzt.

Zuvor war Camenisch aus der Strafanstalt Regensdorf ausgebrochen, wo er wegen Sprengstoffanschlägen auf Kraftwerkanlagen bei Bad Ragaz eine Zuchthausstrafe verbüssen musste. 1991 wurde er in Italien verhaftet und 2002 in die Schweiz ausgeliefert.

Mehrmals fanden Solidaritätsbekundungen für den heute 58-jährigen Bündner statt. 2008 wurde das Auto des Zürcher Justizministers Markus Notter in Dietikon angezündet. (blu)

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