Video weckt Zweifel an Version der Polizei

Nach dem Tod von Michael Brown in Ferguson erschossen Polizisten ganz in der Nähe einen weiteren Afroamerikaner. Sie sollen aus Notwehr gehandelt haben. Ein Mann hatte alles gefilmt.

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Während sich die Lage in Ferguson nach dem Besuch von US-Justizminister Eric Holder beruhigt, facht ein Video zu der Erschiessung eines weiteren Schwarzen im benachbarten St. Louis die Kritik erneut an. Der Afroamerikaner hatte vor zwei Polizisten mit einem Messer herumgefuchtelt und sich geweigert, die Waffe niederzulegen. Die Beamten waren nach einem Ladendiebstahl gerufen worden.

Ein Mann hatte den Verdächtigen 25-jährigen Kajieme Powell verfolgt und gefilmt, nachdem dieser Energydrinks und Muffins aus dem Laden mitgenommen hatte, ohne zu zahlen. Die Polizei hat das Video nun veröffentlicht in der Meinung, es stütze ihre Version. Demnach habe Powell ein Messer gezückt, sei auf die Beamten zugegangen und habe wiederholt gerufen: «Erschiesst mich doch!» Als er nur zwei, drei Schritte entfernt gewesen sei, hätten die Polizisten schliesslich geschossen. (Eine detaillierte Schilderung des Vorfalls auf «St. Louis Post-Dispatch»).

Mehrere Schüsse

Das Video wecke aber Zweifel an dieser Darstellung, schreibt die US-Nachrichtenseite Vox.com. Insbesondere schien Powell bei der Schussabgabe weiter entfernt zu sein. Die Polizisten geben auch mehrere Schüsse ab. War das wirklich nötig?

Viele Teilnehmer an Diskussionen im Internet bezweifeln es. Schon der Mann, der das Ganze gefilmt hat und laufend Kommentare abgibt, fragte sich, «weshalb schossen die Beamten mehrmals? Weshalb schossen sie ihn nicht ins Bein?»

Kritik vom Europarat

Im Falle des Todes des 18-jährigen Michael Brown, den ein Polizist in Ferguson erschoss, hat sich heute auch der Europarat zu Wort gemeldet. In dem Vorort von St. Louis finden seit Tagen Demonstrationen statt, in deren Gefolge es regelmässig zu Zusammenstössen mit Sicherheitskräften kommt. Der Europarat, der über die Einhaltung der Menschenrechtscharta wacht, rügte einen übermässigen Gewalteinsatz der Polizei gegen Demonstranten und die Festnahme mehrerer Journalisten.

Der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, sagte, er sei «besonders besorgt über den übermässigen Gewalteinsatz, welcher der Polizei zur Last gelegt wird». Er kritisierte auch die Festnahme von «friedlichen Demonstranten» und Journalisten, «die nur ihre Arbeit machen». «Dies stellt eine Behinderung der vollen Ausübung der Menschenrechte dar, in erster Linie des Versammlungsrechts und des Rechts auf freie Meinungsäusserung», kritisierte Jagland.

Gestern war US-Justizminister Eric Holder nach Ferguson gereist und hatte eine «faire und unabhängige Untersuchung» versprochen. Er habe die «erfahrensten Ermittler und Staatsanwälte» damit beauftragt, Browns Tod zu untersuchen. Die Demonstrationen in Ferguson verliefen danach weitgehend friedlich. Am Mittwoch nahm auch eine sogenannte Grand Jury hinter verschlossenen Türen ihre Arbeit auf. Die Geschworenen sollen prüfen, ob Anklage gegen den Todesschützen erhoben wird. Diese Entscheidung könnte sich bis Mitte Oktober hinziehen, sagte Staatsanwalt Robert P. McCulloch. (rub)

Erstellt: 21.08.2014, 22:35 Uhr

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