Wallis gibt Wolf zum Abschuss frei

Das Raubtier tötete mehr als 25 Schafe innerhalb eines Monats: Nach Ansicht der Walliser Regierung sind nun die Bedingungen für einen Abschuss gegeben. Die Gruppe Wolf Schweiz ist empört.

Muss sterben: Der Wolf M35 auf einer Aufnahme beim Dorfeingang von Bellwald im Obergoms. (28. Mai 2013)

Muss sterben: Der Wolf M35 auf einer Aufnahme beim Dorfeingang von Bellwald im Obergoms. (28. Mai 2013) Bild: Keystone

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Die Walliser Regierung hat einen Wolf zum Abschluss freigegeben. Das Raubtier hatte innerhalb eines Monates mehr als 25 Schafe auf Alpweiden im Goms getötet – und damit die rote Linie überschritten.

Insgesamt hat der Walliser Wolf im Zeitraum vom 21. Juli bis zum 24. August 39 Schafe getötet, teilten die Walliser Behörden am Donnerstagmorgen mit. Die Angriffe auf die Tiere seien auf Alpen erfolgt, auf denen zurzeit keine Herdenschutzmassnahmen ergriffen werden könnten.

Die Voraussetzungen für den Abschuss eines Wolfes im Perimeter der nicht schützbaren Alpen seien somit gemäss Konzept Wolf Schweiz und gestützt auf die eidgenössische Jagdgesetzgebung erfüllt, hiess es in der Mitteilung weiter. Die Abschussbewilligung gilt 60 Tage und nur, solange sich Schafe im entsprechenden Gebiet der nicht schützbaren Alpen aufhalten.

Gruppe Wolf Schweiz lehnt Abschuss ab

Die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) hat «betrübt» zur Kenntnis genommen, dass im Goms ein Wolf abgeschossen werden soll. Sie lehnt den Abschuss entschieden ab, wie siemitteilt.

Anstelle eines umfassenden Herdenschutzes habe der Kanton Wallis darauf gesetzt, die meisten Schafalpen als «nicht schützbar» zu klassieren, kritisiert die Gruppe Wolf Schweiz. Sie halte dies «für politisch motiviert».Denn mit den bewährten Herdenschutzmassnahmen liessen sich ganz unterschiedlich strukturierte Alpen schützen, auch diejenigen im Goms. Es zeuge von grosser Respektlosigkeit gegenüber den Schafen, diese ungeschützt in einem Wolfsgebiet zu sömmern, wird David Gerke, GWS-Präsident und Schafhirte, zitiert.

Erinnerung an Bundesgelder

Die Forderung der Behörden im Goms, ihre Region zur wolfsfreien Zone zu erklären, werde in der Realität nichts bringen, da sich der Wolf weiterhin in diesem Gebiet aufhalten und ungeschützte Schafe reissen werde. Auch wenn die Gommer Jäger einzelne Wölfe abschössen, werde es weiter zu Schäden an ungeschützten Nutztieren kommen.

Die GWS erinnert weiter daran, dass der Bund Gelder für bessere Weidesysteme und Herdenschutzmassnahmen spricht. Diese würden ab dem Jahr 2014 sogar noch erhöht. Zudem unterstütze die GWS im Wallis Herdenschutzmassnahmen ebenfalls finanziell. (mw/sda)

Erstellt: 29.08.2013, 08:26 Uhr

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