Walliser beten für den Gletscher

Während Jahrhunderten haben die Bewohner von Fiesch für die Gletscherschmelze gebetet. Mit Erfolg: Der Aletschgletscher schmolz. In diesem Jahr bitten die Fiescher erstmals, der Gletscher möge anwachsen.

Auf dass er wieder wachse: Der grosse Aletschgletscher im Oberwallis. (Archivbild)

Auf dass er wieder wachse: Der grosse Aletschgletscher im Oberwallis. (Archivbild) Bild: Keystone

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Während der Aletschgletscher im Oberwallis für die Einwohner der Gomser Ortschaft Fiesch während einigen hundert Jahren Gefahr brachte, wären sie heute froh, wenn der Gletscher, das Weltnaturerbe und damit als Sehenswürdigkeit in aller Welt bekannt, wieder etwas anwachsen würde. Während die Fiescher früher Jahr für Jahr für die Gletscherschmelze beteten, dürfen sie nun mit päpstlichem Segen für das Wachstum des Gletschers beten.

Herbert Volken, Präfekt des Bezirks Goms, war 2009 bei Papst Benedikt XVI. mit der Bitte vorstellig geworden, das Gelübde umkehren zu dürfen. Im August 2010 traf der positive Bescheid aus Rom ein: Fortan darf die Erderwärmung in die Prozessions-Fürbitten eingeschlossen werden.

Gletschersee brachte Zerstörung

Nachdem der 31. Juli im letzten Jahr auf einen Sonntag gefallen und die Prozession deshalb nicht durchgeführt worden war, ist es nun soweit: Am kommenden Dienstag findet die frühmorgendliche Prozession von Fiesch zur Kapelle im Ernerwald erstmals unter geänderten Vorzeichen statt.

Wassermassen aus dem Märjelensee, einem typischen Gletscherrandsee, hatten einst wiederholt Zerstörung über die Walliser Gemeinde gebracht. 1678 legten die Katholiken von Fiesch deshalb ein vom damaligen Papst Innozenz XI. genehmigtes Gelübde ab, den Naturgewalten ein Ende zu setzen. Seither wurde jeweils am 31. Juli jeden Jahres eine Prozession mit Gebeten gegen das Wachstum des Gletschers durchgeführt.

Die Fiescher blieben in der Folge tatsächlichen vor grösseren Katastrophen verschont, wie Renato Julier von Eggishorn Tourismus auf Anfrage sagte. Durch den steten Rückgang des Gletschers hat sich das Gelübde allerdings überholt. Heute gilt es, den Gletscher als Trinkwasserreservoir und insbesondere als Touristenattraktion zu erhalten.

(mw/sda)

Erstellt: 27.07.2012, 21:29 Uhr

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