Wanderer sollten Mutterkühe meiden

Das Rindvieh auf Alpweiden reagiert mit natürlichem Instinkt auf Eindringlinge wie Wanderer, Mountainbiker oder Jogger. Wer Vorsichtsregeln beachtet, läuft aber kaum Gefahr, attackiert zu werden.

Zwei Kühe auf der Weide: Diese hier sind wohl nur neugierig, andere können durchaus auch aggressiv werden.

Zwei Kühe auf der Weide: Diese hier sind wohl nur neugierig, andere können durchaus auch aggressiv werden. Bild: Keystone

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Eine 68-jährige Bäuerin stirbt nach einem Kuhangriff in Uznach SG. Ein Stier fällt in der gleichen Gegend einen 80-jährigen Wanderer an und verletzt ihn tödlich. Im Jura wird ein Ehepaar von rund einem Dutzend Kühen eingekreist, beim Eintreffen der Rega stehen die vordersten Tiere mit gesenkten Hörnern nur wenige Zentimeter vom am Boden liegenden Ehepaar entfernt; erst der Helikopterlärm vertreibt sie.

Auf dem Weg ins Brunni SZ meldet ein deutsches Touristenpaar per Notruf, es werde von einer Kuhherde umzingelt; die Feuerwehr muss ausrücken. Und letzte Woche wird ein 68-jähriger Mann im Klöntal von Kühen niedergetrampelt und verletzt. Sind unsere Kühe wild geworden?

Risiko einer Kuhattacke gewachsen

«Das Risiko, von einer Kuh beim Wandern angefallen zu werden, ist nach wie vor gering», sagt Thomas Jäggi vom Schweizerischen Bauernverband. Es passierten mehr Unfälle bei der Tierbetreuung als bei Zwischenfällen auf den Weiden. Und die Wanderer verletzten sich viel häufiger aufgrund von Misstritten und Stürzen. Es gebe allerdings keine verlässlichen Zahlen zu Unfällen mit Wanderern, denn sie sind nicht meldepflichtig.

Dennoch: Das Risiko, auf einer Alpweide von einer Kuh attackiert zu werden, sei möglicherweise gewachsen, räumt Thomas Jäggi ein.

Vorsicht bei Munis

Denn die tierfreundliche Weidehaltung, die auch beim Konsumenten gut ankommt, ermöglicht den Tieren, ihren Mutter- und Herdentrieb auszuleben. «Die natürliche Tierhaltung weckt die natürlichen Instinkte», sagt Jäggi. So sei die Mutterkuh durchaus bereit, ihr Kalb gegen vermeintliche Angreifer zu verteidigen. Auch der Stier, früher meistens im Stall angebunden, hat heute ein Recht auf Auslauf und befindet sich deshalb oft mitten in der Herde. Nähern sich Wanderer, kann er aggressiv reagieren.

«Wenn sich ein Muni oder ein Jungtier auf der Weide befindet, ist besondere Vorsicht geboten», bestätigt Franz Blöchlinger, der Tierschutzbeauftragte des Kantons St. Gallen. «Denn Kühe wollen ihre Herde beschützen, sobald etwas Bedrohliches auf sie zukommt.» Mit der Mutterkuhhaltung, die Kuh und Kalb weitgehend sich selbst überlässt, seien die Herden wilder geworden, sagt Blöchlinger.

Kuhherden verwildern

«Zum Teil verwildern sie fast ein wenig, weil sie von den Bauern vernachlässigt werden und dann nicht mehr an Menschen gewöhnt sind.» Es sei unbedingt nötig, dass der Bauer den regelmässigen Kontakt zum Tier pflege.

Gefährdet sind nicht nur Wanderer, sondern auch Biker und Jogger, die sich ins Weideland begeben. Die Schweizer Wanderwege und der Bauernverband arbeiten deshalb zusammen, um Kuhweiden und Wanderwege wenn möglich aufeinander abzustimmen. Wenn man sich bei Wanderungen auf Alpweiden an gewisse Vorsichtsregeln halte, sei das Unfallrisiko jedoch «höchst gering», sagt der Tierschutzbeauftragte Franz Blöchlinger. Die Wichtigsten:

  • Wanderwege auf Weiden nicht verlassen. Der natürliche Abstand, den Mutterkühe mit Kälbern brauchen, beträgt 20 bis 50 Meter. Auf keinen Fall das Kalb streicheln.
  • Tiere nicht erschrecken oder ihnen direkt in die Augen schauen. Nähern sich die Tiere, stehen bleiben und ihnen nicht den Rücken zukehren.
  • Auf Wanderungen einen Stock mitnehmen, aber nicht damit herumfuchteln. Wenn nötig, gezielt auf die Nase des Rinds schlagen.
  • Hunde an der Leine führen und notfalls loslassen. Sie erregen bei Kühen, Rindern und Stieren erhöhte Aufmerksamkeit und wecken ein angeborenes Abwehrverhalten.

Erstellt: 22.07.2010, 07:32 Uhr

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