Wenn 72 km/h auf dem Schulweg kein Drama sind

Verschiedene Polizeistellen führten Geschwindigkeitsmessungen rund um Schulhäuser durch. Dabei wurden einige Raser erwischt. Doch die Aussagen von Polizei und Roadcross zeigen: solche Übertretungen erstaunen kaum mehr.

Das richtige Verhalten im Strassenverkehr soll früh gelernt werden: Ein Polizist erklärt den Kindern, wie sie die Strasse sicher überqueren.

Das richtige Verhalten im Strassenverkehr soll früh gelernt werden: Ein Polizist erklärt den Kindern, wie sie die Strasse sicher überqueren. Bild: Keystone

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«Warte – luege – lose – erscht dänn laufe, ränn nöd druflos», lernen Kinder heutzutage schon im Kindergarten. Mit diesen einprägsamen Zeilen sollen sie auf ein verantwortungsvolles Verhalten auf dem Schulweg vorbereitet werden. Doch damit die Kinder sicher sind, müssen sich auch die Auto- und Velofahrer auf die noch ungeübten Verkehrsteilnehmer einstellen. Deshalb führt die Polizei jährlich Geschwindigkeitskontrollen rund um Schulhäuser und auf Schulwegen durch.

Dieses Jahr fand eine koordinierte Aktion mit mehreren involvierten Kantons- und Stadtpolizeien statt. Beteiligt waren unter anderem die Kantonspolizeien von Glarus und Appenzell Ausserrhoden sowie die Stadtpolizei Zürich. Das Ergebnis der Kontrollen: Einige Autofahrer kamen mit einer Busse davon, andere mussten gar verzeigt werden.

Polizei trotz Übertretungen zufrieden

Im Kanton Glarus waren 42 der 295 kontrollierten Fahrzeuge zu schnell unterwegs und wurden gebüsst. Anders das Ergebnis in Appenzell Ausserrhoden: Von den 5800 erfassten Fahrzeugen waren 214 zu schnell unterwegs. Sieben Fahrer mussten gar verzeigt werden. Der Schnellste war innerorts mit 72 statt der erlaubten 50 Kilometer pro Stunde unterwegs. Auf die Spitze trieb es aber ein Lenker in Zürich: Er raste mit 84 Stundenkilometern durch die 50er-Zone. Weitere zehn Fahrzeuglenker der total 1458 kontrollierten wurden verzeigt, 95 weitere erhielten eine Busse.

Dennoch zeigen sich Polizeidienststellen zufrieden mit dem Ergebnis der Aktion. «Wir stufen es als positives Ergebnis ein, wenn kein schwerer Unfall passiert», sagt etwa Ueli Frischknecht von der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Zudem hätten sich die meisten Ertappten einsichtig gezeigt. «Die Autofahrer haben grösstenteils positiv reagiert, viele gaben an, selbst Kinder zu haben, und zeigten Verständnis für die Busse», sagt er. Auch bei der Kapo Glarus klingt es ähnlich. «Grundsätzlich konnte ein vorbildliches Verhalten der Automobilisten gegenüber den Kindern beobachtet werden», schreibt sie in ihrer Medienmitteilung.

Stichproben in sporadischen Abständen

Die Stiftung Roadcross Schweiz beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Verkehrssicherheit. Mediensprecher Silvan Granig erklärt, weshalb die Kontrollen rund um Schulhäuser so wichtig sind: «Kinder bis etwa sieben Jahre können die Geschwindigkeit und Distanzen noch nicht richtig einschätzen, weshalb eine erhöhte Aufmerksamkeit seitens der Autofahrer notwendig ist. Es ist deshalb sehr sinnvoll, dass die Polizei diese mobilen Kontrollen durchführt.» Denn die Autofahrer würden sich rasch an fix installierte Radarkästen gewöhnen und die Fahrt entsprechend erst kurz vor dem Blitzkasten drosseln, erklärt er. Die gemessenen Geschwindigkeiten erstaunen ihn daher nicht. «Solche Zahlen sind leider nichts Spezielles. Tatsächlich gibt es fast in jeder Verkehrskontrolle solch hohe Übertretungen, oft sogar deutlich höhere», so der Mediensprecher.

Ueli Frischknecht sagt, man könne als Polizei zwar nicht überall gleichzeitig sein, aber im Ausserrhodischen würde entlang der Schulwege in sporadischen Abständen auch unter dem Jahr kontrolliert. «Wenn wie aktuell weniger als 5 Prozent der kontrollierten Fahrzeuge zu schnell unterwegs sind, werten wir dies als positives Zeichen. Denn dieser Prozentsatz entspricht dem Durchschnitt», so der Ostschweizer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2012, 13:41 Uhr

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