Wenn ein Muslim über Jesus schreibt

Ein Muslim verfasst ein Buch über das Leben von Jesus. Für den TV-Sender Fox News ist das problematisch: Der Autor bekommt dies in einem Interview zu spüren.


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Darf ein Muslim ein Buch über Jesus schreiben? Eigentlich absurd, die Frage – doch Fox-Moderatorin Lauren Green geht eben dieser Frage mit einer Hartnäckigkeit nach, die bemerkenswert ist – im negativen Sinne. Doch der Reihe nach: Religionswissenschaftler Reza Aslan war letzten Freitag Interviewpartner in der FoxNews.com-Sendung «Spirited Debate». Grund für seinen Auftritt war sein neues Buch: «Zealot: The Life and Times of Jesus of Nazareth». Darin schreibt er über das Umfeld von Jesus und wie es den Sohn Gottes geprägt hatte. Kritiker würdigen das Buch als provokative und akribisch recherchierte Biografie.

Nach kurzer Vorstellung stellt Green die erste Frage:
«Sie sind ein Muslim, warum haben sie ein Buch über den Gründer des Christentums geschrieben?»

Darauf Aslan:
«Nun, ich bin in erster Linie ein Religionswissenschaftler mit vier Abschlüssen, inklusive einem im Gebiet Neues Testament, studiere seit 20 Jahren die Ursprünge des Christentum, und der Zufall will es, dass ich Muslim bin.»

Diese Antwort reicht Green nicht, sie hakt weiter nach, konfrontiert Aslan mit Argumenten konservativer Christen – über den Inhalt des Buches wird nur wenige Sekunden gesprochen. Aslan bleibt ruhig, erklärt dreimal, dass er ein Experte auf dem Gebiet sei, einen Doktortitel habe. Darum sei er fähig, besagtes Buch zu schreiben. Er fährt auch nicht aus seiner Haut, als die Moderatorin ihm gegen Ende des Interviews vorwirft, den eigenen Glauben zu verheimlichen – seine Antwort darauf: «Ma’am, auf der zweiten Seite meines Buches steht, ich bin Muslim, ausserdem habe ich bisher in jedem Interview klargemacht, welcher Religion ich angehöre.»

Empörung auf Twitter

Obwohl das zehnminütige Interview lediglich Online verbreitet wurde, ist der Image-Schaden für FoxNews immens: Auf Blogs und Twitter empören sich die Zuschauer über den Fragestil von Moderatorin Green und preisen Aslan zugleich als «Superhuman»: Der Tenor lautet: Wie er trotz der peinlichen Fragen die Ruhe behalten hätte, sei vorbildhaft und bewundernswert gewesen. Die Empörung und Aufruhr hat denn auch was positives für Aslan. Seine Popularität ist angestiegen, was die Verkaufszahlen des Buchs ankurbeln dürfte. Ähnliche Kontroversen zeigen nämlich, dass Absatzzahlen nach Vorfällen wie diesen durch die Decke schiessen. Ein Beispiel ist das Buch «Deutschland schafft sich ab» von Thilo Sarrazin. Das Buch erlangte durch seinen brisanten Inhalt erhebliche Medienaufmerksamkeit und gehört heute zu den meistverkauften Büchern Deutschlands. Wobei das neue Buch von Aslan eine derartige PR gar nicht nötig hätte – es liegt bereits auf Platz zwei der «New York Times»-Bestsellerliste.

Reza Aslan hat vor wenigen Stunden ein AMA (Ask Me Anything) auf Reddit durchgeführt. Die Fragen der Benutzer und Rezas Antworten sind lesenswert. Link

Erstellt: 30.07.2013, 06:05 Uhr

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