Wer den Ausweis nicht zeigt, wird abgeführt

FC-Zürich-Fans reisen trotz Sperre des Gästesektors nach Aarau. Dort empfängt sie die Polizei mit einem Grossaufgebot – und greift rigoros durch.

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Sie kommen auch dann, wenn sie unerwünscht sind: Die Fans des FC Zürich. Die Kantonspolizei Aargau hatte am Donnerstag veranlasst, dass der Gästesektor des Brügglifeld-Stadions leer bleiben soll. Die FCZ-Südkurve rief darauf zum «kollektiven Handeln gegen kollektive Strafen» auf: Selbstverständlich werde man trotz der Sperre in Aarau erscheinen, um «gegen die repressiven Massnahmen ein Zeichen zu setzen».

Gesagt, getan. Rund 200 FCZ-Fans begeben sich schon am frühen Nachmittag vor das Aarauer Stadion. Sie spielen Fussball, trinken Dosenbier und hören Reggae-Musik: «Aarau gehört uns ganz allein, denn in Aarau ist nur der FCZ daheim», zündeln einige Fans. Die Polizei, die sich schon seit dem frühen Morgen in Lauerstellung hält, ist schnell vor Ort. Ein Aufgebot an Sicherheitskräften aus den Kantonen Aargau, Baselland, Basel-Stadt, Bern und Solothurn kesselt die Anwesenden ein. Über ihnen kreist ein Polizeihelikopter, der Wasserwerfer ist vorsorglich schon auf die Menschenmenge gerichtet.

«Alter, schau dir das an»

«Ihr habt fünf Minuten Zeit, euch freiwillig zu melden. Sonst droht eine Anzeige wegen Landfriedensbruchs», verkündet die Polizei über Lautsprecher. Nur wenige Fans leisten der Aufforderung Folge. Die Mehrheit verharrt an Ort und Stelle, begrüsst den FCZ-Bus und Präsident Ancillo Canepa, der sich eine Zeit lang zu den Fans gesellt. Sie leisten passiven Widerstand, es bleibt friedlich. Doch schon vor dem Spiel beginnt die Polizei, die Fans einzeln abzuführen. Sie werden durchsucht und mit verbundenen Händen in kleinen Gruppen zu einer eigens eingerichteten «Haftstrasse» gefahren, wo sie polizeilich erfasst werden.

In diesem Katz- und Mausspiel sind die Kräfte klar verteilt. Das offensive Auftreten der Sicherheitskräfte lässt jegliches Aufbegehren sogleich wieder im Keim ersticken. Bereits auf den Bahnperrons werden die ungebetenen Gäste von Polizisten in Kampfmontur empfangen: «Alter, schau dir das an», sagt ein junger FCZ-Fan, der mit seinen Freunden gerade im Bahnhof ankommt. «Denen werden wir es zeigen!» Der Mann trinkt einen letzten Schluck Bier, zieht seine Kapuze über den Kopf und stürzt sich aus dem Wagen.

Im Wartesaal festgehalten

Sein Übermut bleibt nicht ohne Folgen. Nur wenige Minuten später stehen er und seine Kollegen in einem Wartesaal: eingepfercht von der Polizei, die Hände mit Kabelbinden hinter dem Rücken zusammengebunden. Hier warten sie auf den Abtransport im Kastenwagen. «So angespannt war die Stimmung schon lange nicht mehr», sagt eine Frau, die am Bahnhof Blumen verkauft. Sämtliche Töpfe, die sie normalerweise draussen präsentiert, hat sie vorsorglich ins Geschäft gestellt. «Fans benutzten die gerne als Wurfgeschoss», sagt die Verkäuferin. Vom Anreiseverbot hält sie nicht viel: «Das provoziert diese Chaoten doch erst recht.»

In der Bahnhofunterführung gibt es für die FCZ-Anhänger kaum ein Durchkommen. Gleich reihenweise schickt sie die Polizei in den nächsten Zug zurück nach Zürich. Dutzende Passanten werden einer Leibesvisitation unterzogen – scheinbar auch ohne triftigen Verdacht. Ein FC-Aarau-Fan steht daneben und kommentiert das Geschehen: «Wenn die Südkurvler unbedingt Krieg wollen, können sie ihn haben. Doch diese Stadt gehört uns!»

Keine Kostenangaben

Einzelne FCZ-Fans schaffen es dennoch bis zum Stadion, wo ihre rund 200 eingekesselten Fan-Freunde weiter ausharren. Tickets gibt es längst keine mehr. Ein paar wagemutige klettern auf Bäume oder den Sicherheitszaun, um das Spiel doch noch zu sehen. Dort werden sie von der Polizei schnell wieder runtergeholt. Ein Aarau-Fan funkt dazwischen: «Lasst sie doch. Sie wollen nur das Spiel schauen.» Bis zuletzt halten die Sicherheitskräfte an ihrem Ultimatum fest: Wer den Ausweis nicht zeigt oder freiwillig abreist, wird abgeführt.

Nach dem Spiel zieht Roland Pfister, Sprecher von der Kapo Aargau eine positive Bilanz: «Bis jetzt gab es weder Verletzte noch Sachbeschädigungen.» Ob die Sperre für Gästeblocks auch bei künftigen Spielen angewandt wird, lässt er offen: «Bei jedem Spiel wird die Lage wieder neu beurteilt. Zuletzt hat immer auch die Politik ein Wörtchen mitzureden.» Die Kosten des Einsatzes dürften diesbezüglich sicher eine Rolle spielen. Wie hoch diese sind, will Pfister jedoch nicht sagen.

Erstellt: 26.04.2015, 01:23 Uhr

Dutzende Festnahmen

Rund um das Fussballspiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Zürich sind am Samstagnachmittag in Aarau mehrere Dutzend Zürcher Fans in Polizeigewahrsam genommen worden. Die Fans können maximal 24 Stunden festgehalten werden. Wann sie wieder ihre Heimreise antreten können, stand bis am späten Samstagabend noch nicht fest.

Die Risikobeurteilung der Aargauer Kantonspolizei ergab zuvor, dass das Risiko von Krawallen zu gross ist. In jüngster Vergangenheit seien Fans des FC Zürich bei Spielen ihrer Mannschaft mehrfach für gewalttätige Ausschreitungen grösseren Ausmasses verantwortlich gewesen, begründete die Aargauer Polizei ihren Entscheid. (mrs/sda)

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