Wer die Flagge abgibt, kriegt ein Bier

Die Berner Aktion richtet sich gegen den Nationalismus: Was es mit den «Antiflag Action Weeks» in der Reithalle auf sich hat.

«Antiflag  Action  Weeks»: Vom 4. bis zum 18. Oktober können in der Reithalle Nationalflaggen gegen ein Gratisgetränk eingetauscht werden.

«Antiflag Action Weeks»: Vom 4. bis zum 18. Oktober können in der Reithalle Nationalflaggen gegen ein Gratisgetränk eingetauscht werden. Bild: Max Spring

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Ein kräftiger Ruck, und die Fahne ist weg. Das Bild auf dem Flugblatt, das derzeit in Bern kursiert, ist eindeutig: Ein Mann reisst eine Fahnenstange samt Flagge aus dem Boden. Warum er das tut, erfährt der Leser im Text neben dem Bild: «Gegen Nationalismus im öffentlichen Raum und sonst-wo» steht auf dem Zettel. Die Botschaft ist klar: In Bern gibts zu viele Nationalflaggen – es ist Zeit auszumisten.

Alle, die vom 4. bis zum 18.Oktober an der Bar der Reitschule eine Nationalflagge abgeben, erhalten ein Gratisgetränk. Welche Nation man sinnbildlich zu Grabe trägt, ist den Organisatoren egal. Nicht egal sind die Masse der Flagge. Diese muss mindestens 90 Zentimeter lang und 60 Zentimeter hoch sein. Zu den «Antiflag Action Weeks» aufgerufen hat das Bündnis Alle gegen rechts. Zum Start der Aktion gibt es am 4.Oktober eine unbewilligte Demonstration in Bern.

Man habe Kenntnis von der geplanten Kundgebung, ein Gesuch sei noch nicht eingegangen, man stehe mit der Polizei in Kontakt, sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP). Während sich die Stadt Bern also auf eine weitere heikle Kundgebung vorbereitet, bereiten den Berner Flaggenbesitzern die Anti-Fahnen-Wochen mehr Kopfzerbrechen. Zwar wird auf dem Flugblatt nirgends explizit zum Fahnenklau aufgerufen, das Gros der Aktivisten dürfte aber kaum eine Nationalflagge besitzen, die man in einen Gratisdrink umtauschen könnte. Ein Schelm, wer denkt: Woher eine Fahne nehmen, wenn nicht stehlen?

Die Polizei nimmt die Sache gelassen: Man sehe keinen konkreten Aufruf zum Fahnenklau und darum auch keinen Grund einzuschreiten. Selbstverständlich könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass gestohlene Fahnen eingetauscht würden. Dies sei tatsächlich schwierig zu kontrollieren. Für die Polizei ist darum klar, dass der Veranstalter in der Pflicht ist. Dieser müsse entsprechende Vorsichtsmassnahmen treffen. Die Polizei hat für die Reitschüler auch gleich einen Vorschlag parat: Man könnte von allen Personen, welche eine Fahne abgeben, den Namen notieren, um falls nötig Rückverfolgungen machen zu können.

Ob in der Reithalle bei derlei Vorschlägen laut gelacht wurde, ist nicht verbrieft. Für das Bündnis Alle gegen rechts ist aber klar: Man kann nicht kontrollieren, ob eine abgegebene Fahne Diebesgut ist. Auch könne man nicht ausschliessen, dass während der Aktion Fahnen gestohlen werden. Es spiele für sie aber auch keine Rolle, wo die Leute ihre Fahne hernehmen würden, sagen die Organisatoren. Wichtiger ist ihnen die Aussage der Aktion: «Eine Bierfahne ist besser für das Wohlbefinden als eine Nationalfahne.»

Na dann, prost, werden sich Berner Fahnenbesitzer sagen. Ob diese ihre Flagge während besagter Wochen besser vorsorglich einholen, damit sie nicht geklaut wird, muss jeder selber entscheiden. Dies sagen übrigens nicht die Aktivisten, sondern die Polizei.

Wer nun mit dem Gedanken spielt, auf Fahnenklau zu gehen, um danach seine Kehle zu erfrischen, dem sei noch eines gesagt: Fahne ist nicht gleich Fahne, und Diebstahl ist nicht gleich Diebstahl. Wer eine private Fahne stibitzt, begeht «nur» einen Diebstahl. Anders ist es, wenn man besonders ehrgeizig ist und sich die hübsche Fahne einer Botschaft sichern möchte. Das wäre ein tätlicher Angriff auf ein fremdes Hoheitszeichen. Und wird mit maximal drei Jahren Freiheitsstrafe bestraft. Auch der Fahnenklau auf dem Bundeshaus wird drakonisch bestraft – drei Jahre Knast. Und dort gibts Wasser statt Drinks.

Erstellt: 25.09.2014, 07:42 Uhr

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