«Wir dürfen nun nicht schon wieder jammern»

Alle blasen Trübsal wegen des schlechten Wetters. Dabei ist Regen für Juni völlig normal. Auch der Juli startet meistens trüb. Zwei Meteorologen sagen, wann der Sommer wirklich kommt.

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Ach, dieser Dauerregen, diese Saukälte, jetzt ist doch Sommer! Das Wetter ist – neben der Fussball-WM – wieder mal Thema Nummer eins. Das verheisst oft nichts Gutes. «So schlimm war es noch nie!», sind die meisten fest überzeugt.

Typisch, weiss Felix Baum, Meteorologe bei Meteonews: «Der Mensch ist keine Wetterdatenbank, sondern der Psychologie unterworfen, die bewirkt, dass man Schlechtes vergisst und Gutes behält.» In Sachen Wetter scheint dies besonders der Fall zu sein. So denken die meisten beim Stichwort Sommer automatisch an den Jahrhundertsommer 2003 und glauben, so müsse es immer sein. «2003 war jedoch eine Ausnahme. Deshalb hiess er auch Jahrhundertsommer», so Baum. In unseren Breitengraden sei nicht der schöne, heisse, trockene Sommer die Regel, sondern ein wechselhafter.

Die Wetterdatenbank, die dem Durchschnittsschweizer fehlt, hat dafür Meteo Schweiz. Seit 1984 hält das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie alle Wetterdaten statistisch fest. Die Überraschung: Das «ungewöhnlich» trübe Juniwetter ist gar nicht so ungewöhnlich, wie viele meinen.

«Im langfristigen Mittel gibt es in der ersten Junihälfte relativ wenig Schönwettertage, nur etwa 10 bis 20 Prozent. Erst in der zweiten Junihälfte häufen sie sich», so Stephan Bader, Klimatologe bei Meteo Schweiz. Auch Felix Baum bestätigt, dass die jetzige Wetterlage völlig normal sei: Jeder kenne den Begriff Schafskälte, der für einen Kaltlufteinbruch stehe. «Die Schafskälte findet in der Regel zwischen dem 4. und 20. Juni statt», so Baum.

Der Mai ist typisch wechselhaft

Der Mai hat wettermässig ebenfalls einen zu guten Ruf. Sobald die Badeanstalten ihre Türen öffnen, muss für die Durchschnittsschweizer der Sommer da sein, schön und warm. Meteorologisch ist jedoch genau das Gegenteil der Fall.

Der Mai sei ein typischer wechselhafter Monat, so Felix Baum. In Südeuropa sei es meist schon warm, in Nordeuropa dagegen noch eher kühl. «Wir liegen mitten in der Kampfzone. Das schreit nach Ausgleich. Die Folge ist wechselhaftes Wetter.»

Wechselhaft dürfte es auch im Juli weitergehen. Das zeigt die Statistik. Während in der zweiten Junihälfte für gewöhnlich eine Wetterbesserung angesagt ist, steht das trübe Wetter Anfang Juli wieder vor der Tür. «Richtig sonnig wird es gewöhnlich erst in der zweiten Juli- und ersten Augusthälfte», sagt Stephan Bader.

Wenn man der Statistik glaubt, haben wir bis dahin noch einiges an Regenwetter vor uns. Gemäss Bader fallen in den Sommermonaten gar noch mehr Niederschläge im Sommer. Das will bloss niemand wahrhaben.

Trotz Statistik: Alles ist möglich

«Schreiben wir den Sommer nicht ab, bevor er überhaupt richtig begonnen hat», motiviert Felix Baum von Meteonews. Und Stephan Bader von Meteo Schweiz: «Wir dürfen nicht vergessen, dass wir im April einen Wärmeschub mit sehr schönem und trockenem Wetter hatten. Da haben wir den Sommer schon ein wenig vorbezogen und dürfen nun nicht schon wieder jammern.»

Auch wenn die Statistik den Sommer erst Mitte Juli erwartet, ist doch noch alles möglich. Und will man dem aktuellen Szenario für die Jahre 2050 bis 2070 glauben, dürfen wir uns dann auf trockenere und wärmere Sommer freuen.

Erstellt: 18.06.2010, 14:00 Uhr

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