Wo ist die Frau des Scientology-Bosses?

Die US-Schauspielerin Leah Remini hat die Sekte nach 30 Jahren verlassen. Bei der Polizei gab sie eine Vermisstenanzeige auf: weil die Frau des Sektenführers seit Jahren nicht mehr gesehen wurde.

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Scientology muss den nächsten Abgang eines prominenten Mitglieds verkraften. Es ist für die Sekte eine Scheidung mit Getöse. Der Star der amerikanischen Sitcom-Serie «King of Queens», die 43-jährige Schauspielerin Leah Remini, kehrte der Sekte nach 30 Jahren den Rücken und ging direkt zur Polizei. Was sie dort zur Anzeige brachte, ist mindestens so spektakulär wie die Trennung von Scientology.

Leah Remini gab eine Vermisstenanzeige auf. Verschollen sei ihre Freundin Shelly Miscavige, die Frau von Scientology-Leader David Miscavige, gab sie zu Protokoll. Der Plot könnte tatsächlich aus einer Sitcom stammen, doch Leah Remini stürmte im heiligen Ernst auf die Polizeistation. Ihre Freundin war für sie seit rund sechs Jahren verschollen, ihre Nachforschungen blieben erfolglos. Stutzig machte sie vor allem die abweisenden Reaktionen von Shellys Ehemann, dem Sektenleader.

Die mysteriöse Geschichte begann im November 2006 bei der Hochzeit von Tom Cruise und Katie Holmes, die inzwischen Scientology ebenfalls verlassen hat. Trauzeuge David Miscavige war ohne seine Frau angereist, was Leah Remini sonderbar fand. Auch bei späteren Nachfragen sei sie jeweils schroff zurechtgewiesen worden.

«Verhört und schikaniert»

Die Schauspielerin hatte den Eindruck, danach unter Beobachtung zu stehen. Sie sei verhört und schikaniert worden, berichtete sie. Diese Reaktionen des Sektenkaders führten zur Entfremdung und schliesslich zur Trennung. Sie lasse sich nicht vorschreiben, was sie zu denken habe, sagte die Schauspielerin amerikanischen Medien nach ihrem Ausstieg.

Die Polizei von Los Angeles nahm die Anzeige ernst und schickte die Sondereinheit für vermisste Personen los. Offensichtlich spürten die Beamten Shelly Miscavige auf, doch sie verraten nichts über den Aufenthaltsort oder die Lebensumstände der Frau des Sektenführers. Leah Remini ist mit der Antwort der Ermittler nicht zufrieden. Sie weiss, was mit Scientologen passiert, die in Ungnade gefallen sind.Bald meldeten sich auch hochrangige Aussteiger und Kritiker. Das ehemalige Kadermitglied Amy Scobee, das prominente Scientologen wie Tom Cruise und John Travolta betreut hatte, ist sich ziemlich sicher, dass die Frau von Miscavige in einem geheimen Rehabilitationszentrum von Scientology festgehalten wird.

Der Journalist und Scientology-Beobachter Tony Ortega ist gar überzeugt, dass Shelly Miscavige im entlegenen Zentrum beim Lake Arrowhead in den San-Bernardino-Bergen in Kalifornien stationiert ist, das Aussteiger als Straflager bezeichnen.Scientology bestreitet alle Vorwürfe und bezeichnet die Anzeige von Remini als reine Schikane. Die Organisation betont, dass Shelly Miscavige jeden Tag hart für Scientology arbeite.

Enthüllungsbuch geplant

Die Vermisstenanzeige von Leah Remini ist aber nur der erste Akt. Die Schauspielerin will ein Enthüllungsbuch über ihre Leidenszeit bei Scientology schreiben und auch ihre Beziehung zu David Miscavige und seiner Frau thematisieren. Mehrere Verlage sollen sich um die Rechte reissen und ihr ein Millionenhonorar anbieten.

Die Geschichte der verschwundenen Shelly Miscavige erinnert an das Schicksal von Ron Hubbard. Der Scientology-Gründer war Anfang der 80er-Jahre von der Bildfläche verschwunden, es gab jahrelang kein Lebenszeichen. 1986 verkündete die Sekte aus heiterem Himmel, Hubbard sei verstorben und eingeäschert. Über seine letzten Lebensjahre und die Todesumstände schweigt die Sekte bis heute. Als Nachfolger wurde der damals 26-jährige Hardliner David Miscavige inthronisiert, der in der Sekte aufgewachsen war.

Erstellt: 15.08.2013, 11:09 Uhr

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