Wundersame Genesung

Die spanische Krankenschwester Teresa Romero, die sich als erste Person ausserhalb Afrikas mit Ebola angesteckt hatte, konnte am Mittwoch das Spital verlassen. Die politische Polemik geht aber weiter.

Teresa Romero freut sich über ihre Heilung. Foto: Keystone

Teresa Romero freut sich über ihre Heilung. Foto: Keystone

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Lange Zeit hatte es nur alte Fotos von Teresa Romero gegeben, unscharfe zudem, die sich die spanischen Medien von Facebook herunterluden. Nun hat sich die 44-jährige Hilfspflegerin erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt: noch merklich geschwächt, in einem Rollstuhl, aber aufgeregt und lächelnd. «Sie haben ein Wunder bewirkt», sagte Romero, als sie am Mittwoch nach langer Quarantäne das Madrider Spital Carlos III. verlassen konnte, «ich bin das Wunder der Arbeit meiner Kollegen.» Und, mit einem klagenden Unterton: «Wir haben das beste Gesundheitswesen der Welt – trotz des unheilvollen ­Managements der Politik.»

Romero hat Ebola überlebt. Sie war das erste Ansteckungs­opfer ausserhalb Afrikas, gewissermassen der Kollateralschaden einer offenbar sorglos organisierten, auch politisch motivierten Repatriierung von zwei infizierten, schwer kranken spanischen Missionaren aus Sierra Leone und Liberia. Romero hatte einen von ihnen gepflegt und sich dabei angesteckt. Wie genau, ist bis heute unklar. «Ich weiss es nicht», sagte Romero, «was da schieflief und ob überhaupt ­etwas schiefgelaufen ist.»

Letzte Ungewissheiten

Ein Team von mehr als hundert Ärzten und Pflegern hat sich um sie gekümmert, einen Monat lang. Die Chefs der grossen Equipe erklärten am Mittwoch vor der Presse, man habe Romero mit dem Medikament ­Favipiravir und mit dem Blut­serum einer genesenen Ebola-Patientin behandelt: «Doch wir können nicht sagen, was Teresa am Ende geholfen hat.» Sicher sei nur, dass ihr Organismus stark gewesen sei und einen «schönen Teil» zur Genesung beigetragen habe. Nach der Überwindung des Virus könne sie nun ein völlig normales ­Leben leben, jedes Ansteckungs­risiko sei ausgeräumt.

Damit endet die «Emergencia Ebola» in Spanien – vorerst jedenfalls und medizinisch. Politisch aber dreht die Geschichte weiter. Von vielen Seiten wird eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge gefordert, die zu Romeros Ansteckung führten. Während die Pflegerin auf der Intensivstation gelegen hatte, liessen die Madrider Gesundheitsbehörden einmal ausrichten, sie habe zugegeben, sich beim Ablegen der Schutzkleidung versehentlich mit dem Handschuh ins Gesicht gegriffen zu haben. Doch tat sie das tatsächlich? Als Romero wieder reden konnte, dementierte sie, je eine solche Aussage gemacht zu haben. Videoaufnahmen gibt es keine.

Klage wegen Verleumdung

Für Polemik sorgt auch, dass die Behörden den Hund Romeros, den landesweit bekannt gewordenen Excalibur, einschläfern liessen, ohne dass er getestet worden war. Romeros Ehemann hatte versucht, sich gegen die «Hinrichtung» zu wehren und lancierte eine Kampagne, der sich in kurzer Zeit 150000 Spanier anschlossen. Doch es brachte nichts. Nun will das kinderlose Paar die Behörden verklagen. Eine weitere Anzeige dürfte bald Javier Rodríguez erreichen, den obersten politischen Verantwortlichen des Madrider Gesundheitswesens – wegen Verleumdung. Rodríguez hatte Romero eine «Lügnerin» genannt, weil sie ihrem Hausarzt angeblich verschwiegen hatte, den kranken Missionar behandelt zu haben.

In ihre Wohnung in Alcorcón, einem Vorort Madrids, konnte Teresa Romero vorerst nicht zurückkehren: Die Räume müssen noch ganz desinfiziert werden. Elf Tage soll das dauern. Romero fuhr deshalb in ihr Heimatdorf in Galicien, zu ihrer Mutter. Die Spanier haben in den vergangenen, verrückten Wochen im Leben der Familie auch die ältere Dame kennen gelernt. Viel sagen mochte die zwar nie, sie winkte meist nur den Reportern zu. Doch die «Emergencia Ebola» wollte ja in allen dramatischen und persönlichen Details und Bildern erzählt sein. Die rote Backsteinfassade des Carlos III. reichte als Symbolbild bald nicht mehr aus, um die langen Sondersendungen am spanischen Fernsehen zu illustrieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.11.2014, 22:28 Uhr

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