Zolli glücklich über Panzernashorn-Baby

Am Montag kam der Panzernashorn-Junge «Jari» zur Welt. Er wird im Basler Zolli nicht nur am «World Rhino Day» Botschafter für seine Artgenossen sein.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist ein Junge. Diesen Montag ist im Zolli ein junges Panzernashorn zur Welt gekommen. Um 20 Uhr bemerkte der Nashornpfleger Roland Schweizer, dass die Fruchtblase des 19-jährigen Muttertriers Quetta geplatzt war. «Dann ging alles sehr schnell», so Schweizer. Normalerweise daure eine Panzernashorn-Geburt nach der 16-monatigen Tragezeit zwei bis drei Stunden.

Jari war aber nach nur etwas mehr als einer halben Stunde auf der Welt. Er sei eben seinem Namen «Jari» gerecht worden, was das nepalesische Wort für «augenblicklich» ist. 2012 bekommen alle Jungtiere einen Namen, der mit «J» beginnt, erklärt Schweizer, der den Namen noch vor der Geburt des Panzernashorn-Jungen aussuchte. Ab diesem Wochenende öffnet das Nashornhaus für die Besucher, momentan ist die Mutter mit ihrem Jungen noch abgeschirmt.

Wunschkind

Kuratorin Friederike von Houwald freut sich riesig über die Geburt von Jari. Noch während der Tragezeit hätten alle ein spezielles Auge auf Quetta geworfen, denn ihr letztes Jungtier sei eine Totgeburt gewesen. «Jetzt bin ich sehr erleichtert», wie die Deutsche glücklich sagt. Als sie auch sah, wie rasch sich das Neugeborene erhob, die Zitzen der Mutter suchte und zu trinken begann, sei ihr auch noch der letzte Stein vom Herzen gefallen. Das sei nicht selbstverständlich, denn bei ihrer ersten Geburt habe Quetta, vermutlich stressbedingt, zu wenig Milch produziert.

Ihr Panzer schützt sie nicht vor den Menschen

Der gegen 60 Kilogramm schwere Jari ist seit 1956 das 33. Jungtier, das im Basler Zolli zur Welt gekommen ist. Sein Ahne «Rudra», der fast auf den Tag genau vor 56 Jahren am 14. September im Basler Zolli zur Welt kam, war das weltweit erste in einem Zoo geborene Panzernashorn. «Jari ist ein Botschafter für seine Art», sagt Houwald. Die Nashörner werden in Asien und Afrika wegen ihrer Hörner wieder vermehrt gejagt. Auf der indonesischen Insel Sumatra lebten gemäss Schätzungen nur noch rund 200 Tiere, auf Java noch etwa 50 Panzernashörner. In Südafrika leben zwar mehr Nashörner, es würden aber täglich zwei bis drei dieser Dickhäuter geschlachtet. Teilweise würde ihnen noch am lebendigen Leib das Horn abgeschnitten.

Die Hörner der Tiere gelten in Asien als Statussymbol wie im Westen etwa ein Rolls-Royce. Bei einem Kilopreis von 80'000 Dollar ist das Hornpulver sogar wertvoller als Gold. Zudem kursieren auf dem asiatischen Markt der Glaube, das Horn wirke gegen Krebs oder Bluthochdruck. «Völliger Unsinn», kann von Houwald nur sagen dazu. Die Kuratorin glaubt aber an die pädagogische Wirkung der Panzernashorn-Haltung im Zolli und freut sich auf den «World Rhino Day» (siehe Box).

Der Zolli und seine Bedeutung für Panzernashörner

Nicht nur wegen der ersten Geburt in einem Zoo 1956 ist der Basler Zolli europaweit für seine Panzernashörner bekannt. Seit 1972 führt der Zolli das internationale Zuchtbuch der Tierart, das seit dem 18 Jahrhundert existiert. Im 1990 kam auch noch die Koordination des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) hinzu. «Wir machen gewissermassen europaweit Partnervermittlung unter Panzernashörnern», scherzt von Houwald. Unter Berücksichtigung der genetischen Veranlagung werde für jedes vermittelte Tier der am besten passendste Partner gesucht, um so Erbkrankheiten durch Inzucht ausschliessen zu können.

Es ist also gut möglich, dass das Basler Panzernashorn Jari dereinst als Bulle irgendwo in Europa für Nachwuchs sorgen wird.

Erstellt: 12.09.2012, 14:57 Uhr

22. September: «World Rhino Day»

Am 22. September wird es im Zolli zum internationalen Tag des Nashorns, dem «World Rhino Day», einen Infostand zur Situation der Dickhäuter einrichten. Zudem geben Tierpfleger von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr den Besucher persönlich Auskunft.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Nichts wie weg: Ein Känguru flieht vor den Flammen in Colo Heights, Australien, die bereits 80'000 Hektaren Wald zerstört haben (15. November 2019).
(Bild: Hemmings/Getty Images) Mehr...