Zu 96 Jahren Gefängnis verurteilte Französin ist wieder zu Hause

Die französische Staatsbürgerin Florence Cassez war 2005 in Mexiko wegen angeblicher Entführung verhaftet und später verurteilt worden. Nun ist sie unter riesigem Medienrummel in Paris eingetroffen.

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Nach rund sieben Jahren in einem mexikanischen Gefängnis ist die Französin Florence Cassez am Donnerstag in ihr Heimatland zurückgekehrt. Die 38-Jährige landete am frühen Nachmittag zusammen mit ihrem Vater mit einer Air-France-Maschine am Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle bei Paris, wie AFP-Reporter berichteten. Lächelnd winkte sie ihren Unterstützern zu, die sie am Flughafen erwarteten.

Die Ankunft von Cassez, die nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von Mexiko am Mittwoch aus dem Gefängnis entlassen worden war, war von einem riesigen Medienrummel begleitet.

Urteil des Obersten Gerichtshof

Zuvor war die Cassez in Mexiko aus dem Gefängnis entlassen worden. Mexikos Oberster Gerichtshof hatte zuvor entschieden, die Justiz habe bei ihrer Verurteilung zu 60 Jahren Haft ihre Rechte verletzt.

Cassez verliess das Gefängnis von Tepepan im Süden der mexikanischen Hauptstadt in einem weissen Fahrzeug und einer schusssicheren Weste gefolgt von einem bedeutenden Polizeikonvoi in Richtung des internationalen Flughafens. Sie wurde von ihrem Vater Bernard Cassez und dem französischen Generalkonsul in Mexiko, Gérald Martin, begleitet.

96 Jahre Gefängnis

Für die umgehende Freilassung der 38-Jährigen stimmten am Mittwoch drei der fünf zuständigen Richter. Das Gericht hatte sich zum zweiten Mal in weniger als einem Jahr mit dem Fall Cassez befasst, der zwischenzeitlich zu schweren Verstimmungen zwischen den Regierungen Mexikos und Frankreichs geführt hatte. Die Französin war im Dezember 2005 festgenommen und zu 96 Jahren Gefängnis verurteilt worden. In einem Berufungsurteil wurde die Strafe später auf 60 Jahre reduziert.

Cassez soll zur Zeit ihrer Festnahme zusammen mit ihrem früheren Freund, dem Bandenchef Israel Vallarta, an Entführungen beteiligt gewesen sein. Sie will aber nichts von den Machenschaften des Mexikaners gewusst haben. Bereits im vergangenen März hatte sich der Oberste Gerichtshof mit dem Fall befasst. Der damals zuständige Richter Arturo Zaldívar forderte die sofortige Freilassung wegen schwerer Verfahrensfehler, doch gab es dafür keine Mehrheit.

«Eine äusserst schmerzliche Phase zu Ende»

Der französische Präsident François Hollande erklärte nach der Entscheidung des Gerichts, mit dem Urteil gehe «eine äusserst schmerzliche Phase zu Ende». In einer in Paris verbreiteten Mitteilung dankte er «allen in Mexiko und in unserem Land, die dazu beigetragen haben, dass sich die Wahrheit und die Gerechtigkeit durchsetzen». Am Mittwochabend telefonierte Hollande mit Cassez, wie der Élysée-Palast mitteilte. Über den Inhalt des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

Cassez' französischer Anwalt Frank Berton sprach von einem «historischen Tag für die mexikanische Justiz». Cassez' Mutter Charlotte sagte in Paris, sie sei «ausser sich vor Freude» über die Entscheidung. (mw/AFP)

Erstellt: 24.01.2013, 08:02 Uhr

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