Zürcher Musterflüchtling ist Frankfurter Mordverdächtiger

Der Eritreer, der einen Jungen vor einen Zug gestossen hat, galt bei den VBZ lange als vorbildlicher Mitarbeiter. Letzte Woche wurde er plötzlich gewalttätig.

Arbeitete zuletzt in den Werkstätten der Verkehrsbetriebe Zürich: Habte A. im Frankfurter Amtsgericht.

Arbeitete zuletzt in den Werkstätten der Verkehrsbetriebe Zürich: Habte A. im Frankfurter Amtsgericht. Bild: Keystone

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Zum Mordverdächtigen aus dem Kanton Zürich, der am Montagmorgen im Frankfurter Hauptbahnhof einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE gestossen hat, werden durch eine Medienkonferenz des deutschen Innenministers Horst Seehofer und Recherchen viele Details bekannt. Beim nach der Tat Verhafteten handelt es sich um einen 40-Jährigen Eritreer, der seit 2006 in der Schweiz lebte. Er reiste illegal ein und beantragte Asyl. 2008 wurde sein Antrag bewilligt und er bekam 2011 eine Niederlassungsbewilligung C.

In Zürich arbeitete der dreifache Familienvater zuletzt in den Werkstätten der Verkehrsbetriebe (VBZ). In einer Publikation des Schweizerischen Arbeitshilfswerks (SAH) wird A.* als gutes Integrationsbeispiel beschrieben. Über eine SAH-Programm für Sozialhilfebezüger bekam er 2017 bei den VBZ eine Chance und nutzte sie. Früher hatte er gemäss der Publikation in einer Schlosserei in Aarau gearbeitet, aber die Stelle verloren, weil die Aufträge zurückgegangen seien.

Video: Die Pressekonferenz der Zürcher Polizei

Der Eritreer, der einen Jungen vor einen Zug gestossen hat, galt bei den VBZ lange als vorbildlicher Mitarbeiter. (Video: Tamedia)

Am 25. Juli hatte der im Kanton Zürich Wohnhafte gemäss den deutschen Behörden eine Nachbarin mit einem Messer massiv bedroht. An seinem Wohnort in Wädenswil würgte er sie und sperrte die Nachbarin, seine Frau und seine Kinder ein. Sie mussten von der Polizei befreit werden. Der 40-Jährige flüchtete und wurde in der Schweiz zur Festnahme ausgeschrieben. Dies bestätigten Vertreter der Kantonspolizei Zürich vor den Medien in Zürich.


Gewaltausbruch kam überraschend

Der Gewaltausbruch kam für die Betroffenen überraschend. Sie hätten ihn noch nie so erlebt, sagten sie den Sicherheitskräften. Der 40-jährige Eritreer war laut Polizei in psychiatrischer Behandlung und krankgeschrieben. Einen terroristischen Hintergrund schliesst die Polizei aus.

Video: Mutmasslicher Täter von Frankfurt war zuvor schon gewalttätig

Nach dem Eritreer wurde in der Schweiz gefahndet. (Video: SDA-Keystone)

Der 40-Jährige reiste mit dem Zug von Basel nach Frankfurt, wie die deutsche Staatsanwaltschaft mitteilte, wo er vier Tage nach der Bedrohung seiner Nachbarin zuerst eine 40-jährige Frau und dann deren achtjährigen Sohn vor einen einfahrenden ICE stiess. Danach wollte er auch eine 78-jährige Frau vor den Zug werfen, was aber misslang, weil die Seniorin stürzte. Ihm wird Mord und zweifacher versuchter Mord vorgeworfen.

Der 40-Jährige war bereits vor den Vorfällen der letzten Tage in der Schweiz polizeilich auffällig, wie Dieter Romann, Präsident des deutschen Bundespolizeipräsidiums, an einer Medienkonferenz am Dienstagnachmittag ausführte.

Mit Material der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Erstellt: 30.07.2019, 17:41 Uhr

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