Zugpassagiere wollen «Strahlemann» zurück

Die Entlassung des Railbar-Stewards Kwasi Nyankson wirft hohe Wellen. Seine Fans kritisieren, dass sich der ehemalige Arbeitgeber über die Gründe ausschweigt. Zu Recht?

Die Fans wollen ihn zurück: Den entlassenen Railbar-Steward Kwasi Nyankson.

Die Fans wollen ihn zurück: Den entlassenen Railbar-Steward Kwasi Nyankson. Bild: Screenshot Facebook

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Diese Woche wurde bekannt, dass der Ghanaer Kwasi Nyankson seinen Job als Railbar-Steward in SBB-Zügen los ist. Die Berichterstattung in den Medien sorgte für viel Aufruhr. Am Mittwoch wurde eine Facebook-Gruppe mit dem Namen «Liebe SBB, wir wollen Kwasi Nyankson zurück» gegründet. Bereits haben sich mehr als 3300 Fans dieser Gruppe angeschlossen und schreiben Dutzende Kommentare.

Die Facebook-Fans sowie Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet erzählen von ihren Erlebnissen mit dem afrikanischen Railbar-Steward. Nyankson habe die griesgrämigen Pendler mit seiner lebensfrohen Art angesteckt, heisst es mehrfach. Diese war allerdings nicht jedermanns Sache. Ein Leser räumte ein, dass nicht jeder im Zug auf fröhliche Weise «angemacht» werden wolle. Jemand anderes «mochte dieses aufdringliche Verhalten absolut nicht. Man wurde fast genötigt, ihm etwas abzukaufen.»

Arbeitgeber muss über Entlassungsgründe schweigen

Es hagelte aber auch Kritik am ehemaligen Arbeitgeber des Afrikaners. Fälschlicherweise richtet sie sich an die SBB, obwohl Nyankson bei der Gastronomiefirma Elvetino angestellt war. Sowohl auf Facebook als auch auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet wettern die Leute über Manager, die Freundlichkeit bestrafen. Mehrere Leser relativieren jedoch: Bevor man über den Arbeitgeber herziehe, sollte man die wahren Gründe von Nyanksons Entlassung kennen.

Diese sind der Öffentlichkeit jedoch nach wie vor nicht bekannt: Stefan Wettstein von der Elvetino-Geschäftsleitung kann aus Datenschutzgründen keine Details nennen, wie er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet festhält. Laut Roger Rudolph, Rechtsanwalt der Kanzlei Streiff Pellegrini & von Kaenel im zürcherischen Wetzikon, hat der Elvetino-Vertreter richtig gehandelt. «Einem Arbeitgeber ist es nicht erlaubt, gegenüber Dritten die Hintergründe einer Entlassung preiszugeben.» Elvetino habe arbeitsrechtlich korrekt über den Fall Nyankson informiert.

Nyankson ist wortkarg geworden

Ausserdem weiss man nichts über die Entlassungsgründe von Nyankson, weil er sich darüber ausschweigt – obwohl davon auszugehen ist, dass er das Motiv seiner Entlassung kennt. Laut Rudolph muss der Arbeitgeber dem Mitarbeiter den Entlassungsgrund nämlich schriftlich nennen. Tut er dies nicht, darf der Angestellte dies erfragen. Nachdem Nyankson im Interview mit dem «Schweizer Monat» noch frei aus dem Nähkästchen geplaudert hatte, ist er inzwischen jedoch wortkarg geworden. Am Donnerstag sagte er gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» (Artikel online nicht erhältlich): «Ich habe mich entschieden, so ruhig wie möglich zu bleiben, anstatt über meine Situation zu berichten.»

Bleibt also weiterhin Raum für Spekulationen über die Hintergründe von Nyanksons Entlassung. «Herr Nyankson soll das Kündigungsschreiben öffentlich machen oder der Veröffentlichung der Gründe durch Elvetino zustimmen, dann wäre alles klar», meint ein Leser. «Hat der Steward etwas zu verbergen?», fragt sich jemand anderes. «Eine Kündigung erfolgt selten grundlos.» Man könne sich Verschiedenstes denken, schreibt eine Person: fehlendes Inventar, Unpünktlichkeit, nicht korrektes internes Verhalten und so weiter.

Erstellt: 07.12.2012, 15:44 Uhr

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