Zwischen «Monster» und «willenlosem Werkzeug»

Die Ex-Frau des Kinderschänders Marc Dutroux darf definitiv das Gefängnis verlassen. Trotz der Freilassung von Michelle Martin bleibt ihre Rolle in der damaligen Affäre im Dunkeln.

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Michelle Martin, Ex-Frau und Komplizin des belgischen Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux, polarisiert: Angehörige der Opfer bezeichnen sie bis heute als «Monster», sie selbst sieht sich als Opfer eines gewalttätigen Mannes, ihr Sohn verteidigt sie.

Sie unterstützte ihren Mann in den 1980er und 90er Jahren dabei, junge Mädchen zu entführen, zu vergewaltigen und in späteren Fällen zu Tode zu foltern. Zwei Kinder liess sie verhungern, während Dutroux wegen Diebstahls im Gefängnis sass.

Mit 21 Jahren lernte Martin Dutroux auf einer Brüsseler Eisbahn kennen, später heiratete das Paar. 1984 kam der erste gemeinsame Sohn zur Welt, in den 90ern folgten ein weiterer Sohn und eine Tochter, wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt.

Vor Gericht stellte sich Martin als willenloses Werkzeug ihres Mannes dar. «Seine Gewalttätigkeit liess mir keine andere Wahl», erklärte sie. Erst im Gefängnis habe sie sich von ihm lösen können. Seit 2003 sind Dutroux und seine zweite Ehefrau geschieden.

Sohn verteidigt Mutter

Martins ältester Sohn Frédéric und ihr Anwalt betonten, dass sie sich während der Haft verändert habe und sich für ihre Taten schäme. «Sie hat eine Therapie gemacht, um sich selbst und ihre Gefühle zu kontrollieren», sagte ihr 28-jähriger Sohn dem flämischen Magazin «Dag Allemaal» vor gut zwei Wochen.

Seine Mutter sei kein Monster, erklärte Frédéric im Interview mit dem Magazin. Er beschreibt sie als «liebende und feinfühlige» Mutter, auch wenn sich der Kontakt in den letzten Jahren auf einige Telefonanrufe beschränkte. Der 28-Jährige wuchs zusammen mit seinen zwei inzwischen 16- und 18-jährigen Geschwistern vorwiegend bei der Grossmutter auf.

Die Kindheit von Michelle Martin selbst wird als schwierig und teilweise trostlos beschrieben. Ihr Vater wird bei einem Autounfall getötet, die 6-jährige Michelle schwer verletzt. Danach wächst sie bei ihrer depressiven und autoritären Mutter sowie einer dominanten Grossmutter auf. Die Schule absolviert sie aber ohne Probleme und schafft später auch das Lehrerdiplom.

Keine Reue

Michelle Martin will nun auf eigenen Wunsch ins Nonnenkloster der Klarissen in Malonne ziehen und dort ihre Freiheit unter Auflagen leben. Im Gefängnis arbeitete sie als Näherin und belegte Informatik- Kurse. Es heisst, sie habe hinter den Gittern zu Gott gefunden. Die Nonnen wollen Martin eine Chance geben.

In den belgischen Medien wird dagegen hervorgehoben, dass Martin nicht ein einziges Mal - weder während des Prozesses 2004 noch später - Reue gezeigt habe. Zudem sehe sie sich immer noch selbst als Opfer Dutroux'.

Dabei wird auch von den Eltern einiger der Opfer immer wieder betont, dass Martin eine Wiederholungstäterin ist. Bereits 1989 wurde sie zusammen mit Dutroux wegen Entführung und Missbrauchs von mehreren Mädchen und jungen Frauen zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. (mrs/sda)

Erstellt: 28.08.2012, 21:46 Uhr

Martin hat Gefängnis verlassen

Die Exfrau des belgischen Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux, Michelle Martin, hat ihr Gefängnis verlassen und sich auf den Weg in ein Kloster im Süden des Landes gemacht. Martin habe die Haftanstalt am späten Dienstagabend in einem zivilen Fahrzeug verlassen, teilte Gefängnissprecher Laurent Sempot mit.(dapd)

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