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Achteinhalb Jahre Gefängnis für Bieler Bordellchef

Der Hauptangeklagte im Bieler Menschenhandelprozess wurde schuldig gesprochen, weil er 45 Frauen Schaden zugefügt hatte. Mitangeklagte erhielten Strafen von 20 Monaten bis fünfeinhalb Jahren.

Der Chef muss hinter Gitter: Ehemalige Kontaktbar Schloss.
Der Chef muss hinter Gitter: Ehemalige Kontaktbar Schloss.
Adrian Moser

Der frühere Chef eines Bordells in Nidau BE bei Biel ist zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt worden. Ein Bieler Gericht sprach ihn des Menschenhandels und der Förderung der Prostitution schuldig.

Der 38-jährige Türke hat sich laut dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland des mehrfachen Menschenhandels und der Förderung der Prostitution zum Nachteil von 45 Frauen schuldig gemacht. Verurteilt wurde der Mann wegen insgesamt zwölf Gesetzesverstössen, darunter Freiheitsberaubung, Gefährdung des Lebens und mengenmässig qualifizierte, bandenmässige Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Urteile gegen Mitangeklagte

Gegen die drei weiteren Angeklagten verhängte das Gericht Freiheitsstrafen von fünfeinhalb Jahren, dreissig Monaten und zwanzig Monaten. Die Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren erhielt ein Mann, der im Umfeld des Hauptangeklagten Drogenhandel betrieb.

Bei den anderen zwei Verurteilten handelt es sich um Leute, welche der Staatsanwalt als «verlängerte Arme» des Hauptangeklagten bezeichnete. Ihre Strafen wurden teilbedingt respektive bedingt ausgesprochen.

Über den Hauptangeklagten sagte Gerichtspräsident Markus Gross, er habe «über die Frauen verfügt wie über eine Ware». Mit Kontrollen, Drohungen und auch mit Waffengewalt habe der trainierte Boxer ein «strenges Regime» ausgeübt und das Selbstbestimmungsrecht der Frauen «massiv eingeschränkt». Angesichts des illegalen Aufenthalts der Frauen in der Schweiz und deren finanzieller Abhängigkeit habe er eine «ausgeprägte Machtstellung» gehabt.

Auslöser: Grossrazzia im Jahr 2007

Der Prozess geht zurück auf Grossrazzien der Berner und Schwyzer Kantonspolizei im Februar 2007 im Hotel Schloss Nidau bei Biel und in einer Kontaktbar in Tuggen SZ. Damals sprachen die Behörden von einer der grössten je in der Schweiz durchgeführten Aktionen gegen Menschenhandel.

Das Hotel Schloss in Nidau war seit längerem als Rotlichtetablissement bekannt. Weitere Rotlichtbetriebe, die zum Einflussbereich des Nidauer Bordellchefs gehörten, lagen ausser in Tuggen SZ in Biel und im Kanton Luzern. Vor allem Rumäninnen schafften in den Betrieben an.

Zu beurteilen hatte das Gericht Taten zwischen 2003 und 2007. Gewisse Vorwürfe liess es gleich zu Beginn des mehrtägigen Prozesses wegen Verjährung fallen. Es sprach alle Angeklagten auch in gewissen Punkten frei. Bis auf den Handel mit Hanf stritten diese den Grossteil der Vorwürfe ab. Der Hauptangeklagte gab aber zu, er sei der Chef im «Hotel Schloss» gewesen.

Staatsanwalt wollte 10 Jahre, Verteidiger Freispruch

Der Staatsanwalt hatte für den Hauptangeklagten eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert, für die übrigen Angeklagten Strafen von zwei bis sechs Jahren. Der Verteidiger des Hauptangeklagten beantragte für diesen eine Haftstrafe von acht Monaten und Freispruch in den Hauptvorwürfen Menschenhandel und Förderung der Prostitution.

Alle vier Angeklagten waren längere Zeit in Untersuchungshaft, befanden sich aber vor dem Prozess auf freiem Fuss. Der Hauptangeklagte wurde vergangene Woche in Sicherheitshaft genommen. Bei ihm sah das Zwangsmassnahmengericht Fluchtgefahr angesichts der Tatsache, dass der Mann heute vornehmlich in Rumänien wohnt. Er bleibt nun in Haft.

Der Verteidiger des Hauptangeklagten war bei der Urteilsverkündigung vom Mittwoch nicht anwesend. Seine Stellvertreterin wollte zur Frage, ob der Mann das Urteil anfechten werde, keine Stellung nehmen. Staatsanwalt Urs Studer sagte auf Anfrage, er sei zufrieden mit dem Urteil. Es sei nachvollziehbar, dass das Gericht nicht sämtliche Anklagepunkte berücksichtigt habe. Die Staatsanwaltschaft werde kaum Berufung einlegen, es sei denn als Reaktion auf eine Berufung eines Verteidigers.

SDA/zec/rub

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