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Altweibersommer

Wie man heute übers Wetter sprechen soll.

Was darf man noch sagen, was nicht? Das Nachdenken darüber bereitet Kopfweh wie ein herbstlicher Föhnsturm. Foto: Keystone
Was darf man noch sagen, was nicht? Das Nachdenken darüber bereitet Kopfweh wie ein herbstlicher Föhnsturm. Foto: Keystone

Bevor Sie fragen: Ja, man darf. Man darf «Altweibersommer» sagen. Das Landgericht Darmstadt hat unter dem Aktenzeichen 3 O 535/88 festgehalten: Der Begriff ist nicht «beleidigungsfähig».

Einschränkend anzufügen ist allerdings, dass das Urteil im fernen 1989 gefällt wurde. Seither ist bekanntlich viel passiert, gerade gendersprachlich. Ob ein Richterspruch aus dem noch nicht wiedervereinigten Deutschland in der Schweiz von heute noch gleich ergehen würde?

Man lässt es besser nicht darauf ankommen, sondern hält sich an Kurt Tucholsky und sagt «fünfte Jahreszeit». Gemeint ist so oder so diese Zeit zwischen Sommer und Herbst, in der die Sonne die Morgennebel hurtig vertreibt, uns atemberaubende Fernsicht schenkt und fast unnatürlich warme Wochen. Weniger poetisch veranlagte Menschen freuen sich da einfach über schönes Wetter.

Aber auch eine so unschuldige Aus­sage erregt heute Anstoss. Angesichts des Klimawandels, teilte kürzlich ein Leser mit, sei es «nicht korrekt», einen strahlend warmen Tag als «schön» zu bezeichnen. Denn: «Für unsere Erde ist sonnig nicht gleich schön und regnerisch nicht gleich schlecht.»

Also: Gut ist schlecht und schlecht ist gut. Der Gedanke erzeugt Kopfweh wie ein herbstlicher Föhnsturm.

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