Amnesty will Prostitution legalisieren

Amnesty International befürwortet die Entkriminalisierung des Sex-Gewerbes. Der Entscheid ist höchst umstrittenen.

Käufliche Liebe: Prostituierte in Lausanne.

Käufliche Liebe: Prostituierte in Lausanne. Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT/Keystone

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Beim Treffen des Internationalen Rates der Menschenrechtsorganisation in Dublin habe eine Mehrheit der rund 400 Delegierten aus 70 Ländern für diese Position gestimmt, teilte Amnesty am Dienstag mit. Die genaue Stimmenverteilung wurde nicht bekanntgegeben. Das sogenannte Council Meeting ist eine Art Hauptversammlung der Internationalen Bewegung von Amnesty. Es legt die Grundlinien der Menschenrechtspolitik der Organisation fest.

Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty sprach von einem «historischen Tag». Prostituierte seien «eine der am meisten marginalisierten Gruppen der Welt», die sich vielfach einem «ständigen Risiko der Diskriminierung, Gewalt und des Missbrauchs» ausgesetzt sehe. Die Entscheidung, für eine Legalisierung der Prostitution einzutreten, sei nicht leichtfertig oder übereilt gefallen, hob Shetty hervor.

«Verlust der Glaubwürdigkeit»

«Unsere weltweite Bewegung ebnete den Weg, dass wir eine Politik verfolgen können, die den Schutz der Menschenrechte von Prostituierten fordert.» Die Organisation wies darauf hin, man habe vor dem Beschluss zahlreiche Betroffene angehört.

Amnesty setzt sich nun auch für die Entkriminalisierung von Zuhältern und Bordellbetreibern ein. Kritiker werfen der in London ansässigen Menschenrechtsorganisation vor, mit der Grundsatzentscheidung an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Die Entkriminalisierung von Prostitution öffne der Ausbeutung von Frauen Tür und Tor.

Offener Brief

Vor der Abstimmung in Dublin hatte das Bündnis Koalition gegen Frauenhandel (CATW) in einem offenen Brief gewarnt, der Name von Amnesty International werde «ernstlich beschmutzt», wenn die Organisation sich für eine Legalisierung der Prostitution einsetze. Zu den Unterzeichnern gehörten Frauenrechtsgruppen, Ärzte sowie Prominente wie die Schauspielerinnen Meryl Streep, Kate Winslet und Emma Thompson. Eine entsprechende Online-Petition des Bündnisses wurde von mehr als 8500 Menschen unterzeichnet.

«Es gibt keine Logik in der Annahme, dass man zum Schutz der Ausgebeuteten die Ausbeuter entkriminalisieren muss», sagte CATW-Chefin Taina Bien Aime der Nachrichtenagentur AFP. Es sei «wirklich wichtig, dass Amnesty versteht, dass die Welt auf sie schaut und sie wirklich enorm an Glaubwürdigkeit als Menschenrechtsorganisation verlieren würde, wenn das unterstützt wird». (kko/sda)

Erstellt: 12.08.2015, 07:22 Uhr

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