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Angeklagter soll vergewaltigt worden sein

Die Vergewaltigung einer indischen Studentin vor drei Monaten hat Proteste im ganzen Land ausgelöst. Nun ist einer der mutmasslichen Täter tot. Der Fall ruft Kritik an den indischen Gefängnissen hervor.

Die Familie und der Anwalt des toten Angeklagten bezweifeln die Selbstmord-Theorie.

Im Prozess wegen der brutalen Gruppenvergewaltigung einer indischen Studentin ist der Hauptverdächtige tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden. Die Behörden sprachen am Montag zunächst von Selbstmord. Ram Singh habe sich am Morgen entweder mit seinen Kleidern oder seinem Bettlaken erhängt, hiess es. Angehörige, Anwälte und Aktivisten äusserten Zweifel: Sie vermuten einen Mord.

«Das war Selbstmord», sagte Innenminister Sushilkumar Shinde. Er sprach von einem «ernsten Vorfall» und einem «grossen Fehler». Das Ministerium ordnete eine Untersuchung an. Den Angaben zufolge befanden sich drei weitere Häftlinge zusammen mit Singh in der Zelle im Tihar-Gefängnis in Neu-Delhi.

Der 33-jährige Singh soll den Bus gefahren haben, in dem im Dezember eine 23-jährige Studentin von sechs Männern brutal vergewaltigt worden war. Die junge Frau starb später an ihren schlimmen Verletzungen. Der Fall löste weltweit Entsetzen und in Indien Proteste aus.

«Er war sehr glücklich»

Singhs Verteidiger erklärte, nichts habe darauf hingedeutet, dass sich sein Mandant das Leben nehmen könnte. «Es gab keinen mentalen Stress, er war sehr glücklich», sagte Anwalt V. K. Anand. Anwälte der übrigen Angeklagten teilten mit, sie wollten die Justiz um besseren Schutz für die Männer bitten. «Meine Mandanten fühlen sich nicht sicher im Tihar-Gefängnis», sagte Vivek Sharma.

Auch der Vater des verstorbenen Angeklagten, Mangelal Singh, sagte, er habe seinen Sohn noch vor vier Tagen besucht und keine Zeichen der Verzweiflung gesehen. Sein Sohn habe eine verletzte Hand gehabt und sich deshalb gar nicht selbst aufhängen können. «Jemand hat ihn getötet», sagte der Vater.

Von anderen Häftlingen vergewaltigt

Allerdings sagte der Vater auch, sein Sohn sei im Gefängnis von anderen Häftlingen vergewaltigt und bedroht worden. Nun fürchte er um die Sicherheit seines anderen Sohns, der ebenfalls in dem Vergewaltigungsfall vor Gericht steht.

Kiran Bedi, die ehemalige Direktorin des Tihar-Gefängnisses, sagte, das Personal der Anstalt habe die moralische und gesetzliche Verpflichtung, die Insassen zu schützen. Sie sagte, sie sei überrascht, dass Singh in seiner Zelle nicht mit Kameras überwacht worden sei. Die derzeitige Direktorin, Vimla Mehra, wollte sich nicht dazu äussern, wie Singh sich hätte selbst töten können, ohne dass die anderen Häftlinge in seiner Zelle und die Wachen es bemerken konnten.

Mit 12'000 Insassen hoffnungslos überlastet

Aus der Familie des Vergewaltigungsopfers verlautete, sie hätte ohnehin mit der Höchststrafe für den Mann gerechnet. «Er wusste, dass er die Todesstrafe erhalten würde und daher hat er sich selbst das Leben genommen», sagte der Bruder der Studentin dem Sender Times Now TV.

Der Prozess gegen Singh und vier seiner Mitangeklagten war im Januar eröffnet worden. Den Männern droht die Todesstrafe. Das Verfahren gegen einen sechsten Angeklagten wird separat verhandelt, weil er noch minderjährig ist. Das Tihar-Gefängnis, ist mit rund 12'000 Insassen hoffnungslos überlastet. Es ist für gut die Hälfte ausgelegt. Laut Behördenangaben nahmen sich 2011 68 Häftlinge in indischen Gefängnissen das Leben, acht weitere wurden von anderen Gefangenen getötet.

(AP)

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