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Drei Verhaftungen nach Polizisten-Mord in Paris

Ein Mann tötete bei Paris einen Polizisten und nahm dessen Familie als Geisel. Spezialeinheiten erschossen ihn. Die Frau lag tot in der Wohnung, ein Bub blieb unverletzt.

Der 25-jährige Täter Larossi A. hat einen Polizisten und dessen Frau ermordet.
Der 25-jährige Täter Larossi A. hat einen Polizisten und dessen Frau ermordet.
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Die Verhandlungen mit dem Geiselnehmer bringen nichts: Die Polizei stürmt in Magnanville das besetzte Haus. (14. Juni 2016)
Die Verhandlungen mit dem Geiselnehmer bringen nichts: Die Polizei stürmt in Magnanville das besetzte Haus. (14. Juni 2016)
Matthieu Alexandre, AFP
Ein Rettungshelikopter kommt ebenfalls zum Einsatz. (14. Juni 2016)
Ein Rettungshelikopter kommt ebenfalls zum Einsatz. (14. Juni 2016)
Matthieu Alexandre, AFP
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Eine Geiselnahme bei Paris hat in der Nacht auf Dienstag mit drei Toten geendet. Die Tat sei «zweifellos ein Terrorakt», sagte Frankreichs Präsident Hollande. Das Paar sei «feige von einem Terroristen ermordet worden».

Nach dem islamistisch-terroristischen Polizisten-Doppelmord haben Ermittler drei Männer aus dem Umfeld des Angreifers in Gewahrsam genommen. Es handle sich um Männer im Alter von 27, 29 und 44 Jahren, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins am Dienstag.

Wie aus Polizeikreisen verlautete, bekannte sich der Geiselnehmer Larossi A. in Verhandlungen mit der Polizei zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die IS-nahe Nachrichtenagentur «Amak» berichtete unter Verweis auf eine nicht näher spezifizierte Quelle, dass der Täter Kämpfer der Terrormiliz IS gewesen sei. Er habe den stellvertretenden Chef der Polizei in der Stadt Les Mureaux und dessen Frau mit Stichwaffen getötet. In der Tasche hatte der Täter eine Todesliste mit prominenten Namen. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm noch in der Nacht die Ermittlungen.

Täter wegen Anschlagsplanungen vorbestraft

Der Täter ist kein Unbekannter: Der 25-Jährige sei 2013 wegen Zugehörigkeit zu einem Ableger einer französisch-pakistanischen Dschihad-Gruppe verurteilt worden, verlautete am Dienstagmorgen aus französischen Ermittlerkreisen. Er stand demnach mit sieben anderen Verdächtigen vor Gericht und erhielt eine dreijährige Haftstrafe, von denen sechs Monate auf Bewährung ausgesetzt waren. Der Vorwurf lautete damals, er habe mit der Gruppe «Terroranschläge vorbereiten» wollen.

Larossi A. hatte am Montag in Magnanville im Département Yvelines nordwestlich von Paris zunächst einen Polizisten erstochen, wobei er nach Zeugenberichten «Allahu akbar» (arabisch für: Gott ist gross) gerufen haben soll. Danach nahm er Frau und Kind des Polizisten als Geisel und verschanzte sich in deren Wohnung.

Der Täter hat seinen Angriff mitgefilmt und auf Facebook gepostet. Er habe dazu den Dienst Facebook Live verwendet, über den Videos live in das soziale Netzwerk gestellt werden können, sagte ein Ermittler der Nachrichtenagentur AP. Das Facebook-Konto des Mannes wurde gesperrt.

Wohnung gestürmt

Sondereinheiten der Polizei stürmten die Wohnung in der Nacht und töteten dabei den Geiselnehmer, wie das Innenministerium mitteilte. Die Frau des getöteten Polizisten, die als Geisel genommen worden war, sei tot aufgefunden worden. Ein dreijähriger Junge sei in der Wohnung «unter Schock, aber äusserlich unverletzt» gefunden und in Sicherheit gebracht worden.

Die getötete Frau war selbst Beamtin des Innenministeriums und soll der Zeitung «Le Parisien» zufolge im Kommissariat von Mantes-La-Jolie gearbeitet haben. Ihr Mann war demnach 42 Jahre alt und stellvertretender Chef der Kriminalpolizei in Les Mureaux. Über die Identität des Angreifers ist noch nichts bekannt, auch nicht über die Glaubwürdigkeit seiner Berufung auf den IS.

Verhandlungen ohne Ergebnis

Die Verhandlungen mit dem Täter hätten kein Ergebnis gebracht, weswegen der Befehl zur Erstürmung des Hauses gegeben worden sei, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Während des Einsatzes waren Detonationen zu hören, berichtete ein AFP-Reporter.

Der Staatsanwaltschaft liegen nach Angaben aus Justizkreisen Anhaltspunkte für eine radikalislamische Motivation des Täters vor. Dafür sprächen «das Vorgehen, das Ziel der Tat und Äusserungen, die er in den Verhandlungen mit der Spezialeinheit gemacht hat», hiess es bei der Justiz. Angaben zur Identität des Täters lagen zunächst nicht vor. In Frankreich gilt wegen der derzeitigen Fussball-EM eine erhöhte Terrorwarnstufe.

Der Täter war Kleinunternehmer und baute gerade einen Lieferservice für Sushi auf. Am 28. April hatte er auf Facebook noch eine Umfrage gestartet, um seinen Service zu verbessern. Am Tag der Tat hat er um 5 Uhr morgens ein bearbeitetes EM-Logo auf seinem Profil hochgeladen. Darauf sind religiöse Symbole zu sehen.

Abballa lebte im Pariser Vorort Mantes-la-Jolie, keine fünf Kilometer entfernt von Magnanville, wo er das Polizistenpaar tötete. «Er war ein Junge aus der Nachbarschaft», sagte Anwohnerin Henriette Yenge. «Ich war überrascht, dass er es war.» Die Polizei habe am Dienstagmorgen die Wohnung des 25-Jährigen durchsucht, sagte sie.

«Abscheuliches Drama»

Präsident Hollande sprach von einem «abscheulichen Drama», dessen genaue Hintergründe noch geklärt würden. «Frankreich steht einer sehr grossen terroristischen Bedrohung gegenüber.» Das gelte aber nicht nur für Frankreich, sagte er unter Verweis auf die Gewalttat von Orlando.

«Es wird vollständige Aufklärung geben», hiess es in der Erklärung. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve äusserte derweil sein «unendliches Bedauern» über den Tod des Polizisten und seiner Partnerin. Er soll am Morgen die Kommissariate von Les Mureaux und Mantes-la-Jolie besuchen.

(SDA)

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