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Anwälte streiten um Maries Blog

Im Tötungsfall Marie sucht die Staatsanwaltschaft nach einem zweiten Gutachter. So soll die lebenslange Verwahrung doch noch möglich werden. Der Vater veröffentlichte unterdessen ein Buch.

In Payerne herrscht Trauer und Wut: Kerzen zum Andenken an die getötete Marie. (15. Mai 2013)
In Payerne herrscht Trauer und Wut: Kerzen zum Andenken an die getötete Marie. (15. Mai 2013)
Keystone
Zum Andenken an die getötete Marie: Rund 200 Personen nehmen am Marsch in Payerne VD teil. (15. Mai 2013)
Zum Andenken an die getötete Marie: Rund 200 Personen nehmen am Marsch in Payerne VD teil. (15. Mai 2013)
Keystone
Hier hatte der Mann das 19-jährige Opfer in sein Auto gezerrt: Landstrasse bei Payerne. (14. Mai 2013)
Hier hatte der Mann das 19-jährige Opfer in sein Auto gezerrt: Landstrasse bei Payerne. (14. Mai 2013)
Keystone
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Ein Jahr nach dem Tötungsdelikt an der 19-jährigen Marie hat die Waadtländer Staatsanwaltschaft die Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Sie sucht derzeit einen Experten, der das zweite psychiatrische Gutachten erstellt. Damit die Anklage eine lebenslängliche Verwahrung im Sinne der Verwahrungsinitiative fordern kann, müssen zwei psychiatrische Expertisen vorliegen.

Die Resultate des ersten Gutachtens belasten den Täter schwer. Der 37-jährige Schweizer wird als Psychopath und als nicht therapierbar auf Lebenszeit beurteilt.

Das Tötungsdelikt erschütterte die Schweiz

Das Drama hatte am 13. Mai 2013 seinen Lauf genommen. Der Mann entführte bei Payerne VD die 19-jährige Marie, die er über das Internet kennengelernt hatte. Am Tag darauf wurde der Mann verhaftet. Er hatte bereits 1998 seine damalige Ex-Freundin entführt, vergewaltigt und getötet.

Nachdem er zwei Drittel der Haftstrafe von 20 Jahren verbüsst hatte, befand er sich seit August 2012 im Hausarrest. Er führte die Polizei zu der Leiche, die sich in einem Wald bei Châtonnaye FR befand. Das Tötungsdelikt erschütterte die Schweiz und löste eine Debatte über den Strafvollzug aus.

Zweiter Gutachter gesucht

Die Suche nach einem zweiten Gutachter gestaltet sich nicht einfach. Der Experte sollte sich zuvor nie mit dem Täter beschäftigt haben. Der Waadtländer Generalstaatsanwalt Eric Cottier sucht deshalb in der Deutschschweiz.

Zunächst wollte er zwei Basler Gutachter mit der Aufgabe betrauen. Weil einer der beiden Experten jedoch entfernt mit dem Angeklagten zu tun hatte, wird nun ein Solothurner vorgeschlagen.

Streit noch nicht beigelegt

Die Verteidigung zieht aber einen ausländischen Experten vor. Beispielsweise aus Frankreich, «wo das Delikt weniger Echo hatte als in der Schweiz», wie Loïc Parein, Anwalt des Täters. Seiner Ansicht nach ist die Unabhängigkeit der zweiten Expertise ohnehin beeinträchtigt, weil die Resultate der ersten veröffentlicht wurden.

Zudem erklärt der Verteidiger, dass es unmöglich sei, mit Bestimmtheit einen 37-jährigen Mann bis ans Lebensende als nicht therapierbar zu erklären. Er stützt sich auf das Bundesgerichtsurteil zum Tötungsdelikt des Au-pair-Mädchens Lucie.

Der Streit ist noch nicht beigelegt. Sobald der zweite Experte einmal nominiert ist, muss dieser den Bericht innerhalb eines halben Jahres abliefern. Wann es zum Prozess kommen könnte, ist noch völlig offen.

Warten auf Internetdaten

Der Täter hatte Marie einige Wochen vor der Tat im Internet kennengelernt. Die Staatsanwaltschaft nimmt deshalb auch die sozialen Netzwerke unter die Lupe.

Eines seiner Nutzerkonten konnte beschlagnahmt werden. Andere Daten lassen auf sich warten. Die Waadtländer Staatsanwaltschaft stellte bereits im Juli 2013 bei Google in den USA einen Antrag auf den gesamten Inhalt des Nutzerkontos. Bis heute wartet Cottier darauf.

Von der Hauptseite von Maries Blog hatte eine vieldeutige Passage zu reden gegeben, wonach sie «Kunden» suche. Danach kamen Gerüchte auf, dass die 19-Jährige sexuelle Dienste angeboten haben könnte.

Vater veröffentlicht Buch

Für Jacques Barillon, den Anwalt der Familie des Opfers, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Blog von Marie manipuliert wurde, auf jeden Fall seit der Begegnung mit dem späteren Täter. Barillon kündigte weitere Untersuchungen in diese Richtung an.

Gemäss Barillon zieht der Täter das Opfer durch den Schmutz und habe sich auch der Tatrekonstruktion verweigert. Der Angeklagte schmachte öffentlich in Reue und Schmerz, gegenüber den Ermittlern verhalte er sich jedoch ganz anders. Er gebe sogar zu verstehen, dass Marie sterben wollte und dass dies zweifellos das Schicksal war, dass sie verdiente, so der Anwalt der Familie.

Die Aussagen seines Mandanten würden so umgedeutet, bis sie dem Bild des Täters entsprächen, das man von ihm haben wolle, sagt hingegen Verteidiger Loïc Parein. Man müsse aber alle Umstände kennen, um die Tat beurteilen zu können.

Der Vater der getöteten Marie veröffentlichte unterdessen ein Buch, das in der Westschweiz viel Beachtung fand. In «Ich grüsse dich Marie, meine Tochter - 19 Jahre, ein Tag und die Ewigkeit» beschreibt er auf über 200 Seiten die tragischen Ereignisse. Der Pfarrer erzählt zudem aus dem Lebenslauf seiner Tochter.

SDA/bru

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