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Asbest-Prozess: Schmidheiny muss noch länger ins Gefängnis

Das Berufungsgericht von Turin hat Stephan Schmidheiny im Asbest-Prozess zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt – und damit das Strafmass um zwei Jahre erhöht. Der Schweizer will das Urteil weiterziehen.

3000 tote Arbeiter und eine Umweltkatastrophe: Der Schweizer Stephan Schmidheiny wurde im Eternit-Prozess verurteilt. (Archivbild)
3000 tote Arbeiter und eine Umweltkatastrophe: Der Schweizer Stephan Schmidheiny wurde im Eternit-Prozess verurteilt. (Archivbild)
Keystone

Im Asbest-Prozess hat ein italienisches Berufungsgericht das Strafmass gegen den früheren Eternit-Miteigentümer Stephan Schmidheiny erhöht: Der Schweizer Unternehmer muss laut dem heute vom Gericht in Turin gefällten Urteil für 18 Jahre ins Gefängnis.

In erster Instanz war Schmidheiny vor einem Jahr zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte ihn sowie den früheren belgischen Eternit-Manager Louis de Cartier de Marchienne wegen des Todes von rund 3000 Arbeitern und Anwohnern der italienischen Eternit-Werke für schuldig befunden. Das Verfahren gegen de Cartier wurde heute eingestellt, nachdem der Angeklagte im Mai verstorben war.

Nach Überzeugung des Gerichts verursachten die beiden Angeklagten eine Umweltkatastrophe und missachteten Sicherheitsregeln in den seinerzeit vier italienischen Eternit-Fabriken. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelte es sich um den grössten Prozess, der jemals in der Auseinandersetzung mit der einstigen vermeintlichen Wunderfaser Asbest geführt wurde.

Auslöser von Lungenkrebs

Die italienische Niederlassung von Eternit ging 1986 Pleite – sechs Jahre, bevor Asbest in Italien verboten wurde. Wegen seiner hohen Hitze- und Feuerbeständigkeit und guten Isolationseigenschaften wurde vor allem Asbestzement lange in der Bauindustrie eingesetzt.

Das Einatmen von Asbestpartikeln kann Lungenkrebs auslösen. Die Symptome können noch nach 20 Jahren auftreten. 2005 wurde Asbest in Europa verboten, doch in Entwicklungsländern findet es weiterhin Verwendung.

Schmidheiny zieht Urteil weiter

Der heute verurteilte Schmidheiny will das Urteil nun an den Kassationshof in Rom, die höchste Instanz Italiens, weiterziehen. Dies kündigte sein Sprecher Peter Schürmann in einer Medienmitteilung an.

Die Verteidigung von Schmidheiny bezeichnete das Urteil der zweiten Instanz als absurd, unfair und politisch motiviert. Wie in der ersten Instanz habe das Gericht die Unschuldsvermutung verletzt und entlastende Beweise der Verteidigung missachtet. Deshalb werde die Verteidigung das Urteil an die höchste Instanz weiterziehen.

SDA/rbi

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